Contrast

Ein neues Spiel der Schatten beginnt! Diesmal ohne Zauber- oder Fallenkarten, dafür mit umso mehr Puzzle- und Sprungeinlagen. Wir haben uns Contrast genauer angeschaut und sagen euch, welche Arbeit das Team vom Entwicklerstudio Compulsion Games abgeliefert hat. Bietet der innovative Neuling genug, um zu überzeugen und langfristig zu fesseln? Da unser Brieftauben-Lieferdienst eine ziemliche Banane geflogen ist, hat es mit der Review etwas gedauert. Dennoch haben wir Contrast gründlich getestet und zeigen euch die Licht- und Schattenseiten des Spiels.

 

Die Geschichte einer Familie

Die 9-jährige Didi hat es nicht leicht im Leben. Mutter Kat will eine erfolgreiche Sängerin werden und hat selten Zeit für den Nachwuchs. Papa Johnny lebt zur Zeit getrennt von der Familie. Zu oft verliefen seine fragwürdigen Geschäftsideen um an das große Geld zu kommen im Sand. Das wurde Mama zu bunt und sie setzte ihn schließlich vor die Tür. Inmitten dieser Familientumulte ist Dawn, Didis unsichtbare Freundin. Mit ihrer Hilfe versucht die gewiefte Didi die Familie wieder zusammenzuführen. Johnny ist nämlich wieder in der Stadt mit seiner letzten, großartigen Idee. Durch die Gelder zwielichtiger Investoren will er einen Zirkus eröffnen um die Massen (und Moneten) anzulocken. Für ihn wäre das nämlich nicht nur das Ticket um seine Familie zurückzugewinnen, sondern auch um einiges gesünder. Seine Sponsoren wetzen nämlich schon die Messer, sollte die Idee nicht Früchte tragen. Der Zirkus muss also ein Erfolg werden, sonst verliert Johnny seine Familie endgültig, sowie seinen Kopf… Damit also auch wirklich jeder den Zirkus besuchen kommt, engagiert Vater Strolch den berühmten Magier Vincenzo; einen Mann, dem sein Ruf vorauseilt. Natürlich läuft nichts wie geplant, sodass Didi und Dawn eingreifen müssen, um den Tag zu retten. Dabei werden auch die Geheimnisse um Dawn selber gelüftet. Eine düstere Familiengeschichte die so manche Überraschung verborgen hält.

 

15Die Story ist wundervoll inszeniert. Das finstere, geheimnisvolle Setting von Contrast wird bemerkenswert gut dargestellt und trägt beachtlich zur richtigen Atmosphäre bei. Die Optik der Stadt, ihrer Etablissements und Straßen ist in Anlehnung der 1920er und dem Film Noir authentisch umgesetzt. Der Stil entspricht zwar nicht einem grafisch-realistischem Meisterwerk, doch Fans von Tim Burton werden Ähnlichkeiten erkennen und zu schätzen wissen. Unseren beiden Hauptdarstellerinnen Dawn und Didi sieht man es an, dass sich die Entwickler vom „A Nightmare Before Christmas“- Schöpfer inspiriert haben lassen. Alle anderen Figuren im Spiel werden lediglich durch ihren Schatten dargestellt. Das mag zwar anfangs verwirrend sein, doch fällt so der Fokus auf die gesprochenen Dialoge, welche in der englischen Version des Spiels gut gelungen sind. Begleitet wird der Spieler von passender Jazzmusik, die der Atmosphäre den letzten Schliff verleiht. Ganz ohne Makel ist Contrast dabei leider nicht. Unbarmherzig wird der Spieler zunächst ins Spiel geworfen. Keine Startsequenz oder Texteinblende klären auf, worum es überhaupt geht. Erst durch die Dialoge der Figuren wird dem Spieler die Welt von Contrast verständlich.

ContrastGame 2013-12-08 12-42-03-80

Mehr Feingefühl hätten auch einige Grafikelemente im Spiel vertragen können. Selbst bei hohen Grafikeinstellungen sehen diverse Schatten kantig aus. Läuft Dawn eine Schräge hinunter oder hält sie einen Gegenstand in den Händen, wird dies manchmal fehlerhaft angezeigt. Die Objekte in ihren Händen schweben dann regelrecht vor ihr, statt dass sie gehalten werden. Die Laufanimation auf Schrägen erinnert mehr an Treppen steigen, sodass unsere Figur hin und wieder waagrecht in der Luft steht. Egal wie Leistungsstark euer PC ist, diese Fehler lassen sich nicht ausmerzen. Im Grafikmenü könnt ihr lediglich die Auflösung, den Gammawert und zwischen den Grafikoptionen „Niedrig“, „Mittel“ und „Hoch“ wählen. Keine Individualisierung â la Anti-Aliasing (Kantenglättung) oder ähnliche Optionen sind gegeben. Auch wenn das Spiel keine Grafik-Bombe ist, hätten die Einstellungsmöglichkeiten nicht derart spartanisch ausfallen müssen. Interessanterweise erlebt ihr die Welt von Contrast bei der Grafikqualität „Gering“ in einer farbenfrohen Variante, fernab des düsteren Film Noir. Nicht nur bei den Grafikeinstellungen zeigt sich der Hang zum Minimalismus. Wer die Steuerung für Tastatur/Maus oder seinem Controller ändern möchte, trifft auf eine Sackgasse. Unter dem Menüpunkt „Steuerung“ wird euch die Tastenbelegung der jeweiligen Geräte angezeigt, aber keine Möglichkeit gegeben zu verändern. An der Standardtastenbelegung gibt es grundsätzlich nichts auszusetzen, dennoch hinterlässt dieser Zwang einen bitteren Nachgeschmack.

Das Spiel, das nicht so richtig Spiel ist

06Kommen wir zum Herzstück eines jeden Spiels, dem Gameplay. Hier zeigen sich deutlich die stärken und schwächen des Indie-Titels. Ihr übernehmt die Rolle von Dawn, deren Fähigkeit es ist, zwischen der realen, 3-Dimensionalen Welt und der 2-Dimensionalen Schattenwelt zu wechseln. Dies geschieht per Mausklick an einer beleuchteten Wand. Einmal in der Schattenwelt, könnt ihr umliegende Schatten dazu benutzen euch fortzubewegen. Ihr springt die Schatten entlang um so ansonsten unerreichbare Orte zu betreten. Indem ihr Lichtquellen manipuliert, ändern sich entsprechend die Schatten an der Wand. Die neu ausgerichteten Schattierungen könnt ihr dann Nutzen, um im Spiel voran zu kommen. Diese Lichträtsel werden im Spielverlauf zunehmend komplexer. Dabei lernt Dawn neue Fähigkeiten, die sie in die Schattenpuzzle integrieren muss. Dawn lernt zum Beispiel Gegenstände in die Schattenwelt mitzunehmen, sich an Vorsprüngen hochzuziehen oder durch dünne Schatten hindurch zu sprinten (Diese Fähigkeit scheint so wichtig, dass ihr sie im Spiel gleich zweimal lernt)

 

Um im Spielverlauf weiterzukommen müsst ihr zudem Leuchtkugeln sammeln. In einem Levelabschnitt gibt es eine feste Anzahl davon, doch braucht ihr nicht alle einsammeln. Im Spiel werdet ihr immer wieder mal mit Geräten konfrontiert, die mit Leuchtkugeln erst zum Laufen gebracht werden müssen. Bis es also weitergeht, müsst ihr genügend dieser Ersatzbatterien im Level finden und in die Maschine einsetzen. Wer sich jedoch richtig knifflige Herausforderung wünscht, wird enttäuscht. Trotz des zunehmenden Schwierigkeitsgrad, lassen sich die Rätsel nach etwas rumprobieren zügig lösen. Die Puzzle mit Licht und Schatten sind dennoch Innovativ und angenehm frisch. Besonders ein Abschnitt, bei dem ihr als Schattenfigur in einem Puppentheater die Hauptrolle übernehmt, hat es uns angetan. Wie in einem Märchen beschreibt ein Erzähler Dawns Abenteur auf der Puppenleinwand, während sie Ogern und Drachen mutig entgegentritt. Mehr von solchen Einlagen hätten die Entwickler ruhig ins Spiel einbauen können. Trotz des linearen Spielverlaufs, bietet Contrast zudem die Möglichkeit euch anderweitig umzusehen. So entdeckt ihr nicht nur mehr von der Spielwelt, sondern könnt auch auf Sammelobjekte stoßen. Diese sind durch ihr Funkeln erkennbar und geben einen tieferen Einblick in die Figuren des Spiels und die Welt von Contrast selber. Durch Zeitungsartikel, Briefe und Bilder erfährt der Spieler Details, die im normalen Spielverlauf sonst nicht erwähnt werden. Umschauen lohnt sich also!

10

Im Spiel selber bemerkt ihr aber immer wieder fragwürdige Mechaniken. Unsichtbare Wände stellen sich euch in den Weg oder der Wechsel in die Schattenwelt wird an ein paar unsinnigen Orten ermöglicht. Die Hitboxen von manchen Objekten in der Spielwelt ermöglichen Dawn, dass der Spieler mitten in der Luft zu stehen scheint. Landet eine notwendige Kiste beim Rumspielen im Nirvana, wird sie eigentlich wieder gespawned… „eigentlich“. Ein paar mal mussten wir den Spielstand laden, da ein vorankommen durch solche Aussetzer unmöglich geworden ist. Inwiefern die Unreal Engine dafür verantwortlich gemacht werden kann, ist unklar. Bei einem Titel, dessen Startpreis im Low-Budget Bereich liegt, ist aber ein auf hochglanz poliertes Produkt zu erwarten; Contrast hingegen könnte noch einige Wochen Feinarbeit und Bugfixing vertragen, um zumindest die offensichtlichen Mängel zu beheben.

Diese Makel sind ärgerlich, aber im Hinblick auf die Optik und Inszenierung des Spiels verkraftbar. Woran Contrast jedoch starken Bedarf hat, ist Spielinhalt. Nach gerade einmal 3 Stunden Spielzeit war das Abenteuer vorbei! Wer glaubt, dass wir nur durch das Spiel hindurch gefegt sind, liegt leider falsch. In diesem 3-stündigen Spieldurchgang wurden alle Sammelobjekte und Leuchtkugeln gefunden, sowie 19 von 22 Achievements freigeschaltet. Ist das Spiel einmal durch, ist sein Wiederspielwert äußerst gering. Per Levelauswahl könnt ihr gezielt die fehlenden Errungenschaften oder Sammelobjekte freispielen. Abgesehen davon hat Contrast nichts mehr zu bieten. Keine Puzzle-Herausforderungen, keine freischaltbaren Kostüme, keine weiteren Inhalte. Dadurch verfehlt Contrast teilweise die Funktion als Spiel, ähnlich Capcom’s Asuras Wrath. Die Stärken dieser Titel liegen weniger im Spielen selber, sondern in ihrer Geschichtserzählung. Spieler legen diese Titel ein, um sich von der Geschichte, ihrer Darstellung und der Musik berauschen zu lassen. Der Aspekt des Spielens tritt dabei zu sehr in den Hintergrund.

[ratingbox]
Share Button

Geschrieben von

Profile photo of Martin Federlein

Richtig geprägt haben haben mich die Final Fantasy Spiele für die Playstation 1. Zwar gab es im Lauf der Zeit viele Inspirationsquellen - sei es Bücher, Comics, Filme oder Serien - aber nichts kam an die Geschichten von Cloud, Squall und Zidane ran. Auch nach einer ganzen Hülle von weiteren Spielen für alle möglichen Konsolen und dem PC, hat mich keine Spiel-Reihe mehr emotional gefesselt. Selbst wenn ich heute neue Titel spiele, vergleiche ich sie mit den Klassikern unserer Vergangenheit.

Keine Kommentare bis jetzt.

Hinterlasse eine Antwort.