Mass Effect: Andromeda

Die Milchstraße hat starke Ambitionen, denn die Asari, Kroganer, Salarianer, Turianer, Quarianer und Menschen wollen die Andromeda-Galaxie besiedeln. In Archen, riesigen Raumschiffe mit Kälteschlafkammern, wollen die hoffnungsvollen Siedler 600 Jahre lang den Flug dahin überstehen. Doch als die Hyperion (die menschliche Arche) an ihrem Ziel ankommt, ist alles anders als gedacht.

 

 

 

Mass Effect: Andromeda ist der Anfang einer neuen Trilogie aus dem Mass Effect Universum. Noch vor dem Release des Spieles konnte man allerlei Kritik über visuelle Probleme lesen (an wem die Diskussionen über die Gesichtsanimationen vorbeigegangen sind: Glückwunsch!). Doch ist Andromeda nun top, oder flott?

 

Story time

Wie man Mass Effect kennt, ist auch Andromeda voll von Geschichte, Details und Wissenschaft. Also schnappt euch eine Tasse Kakao und ich versuche euch alles so kurz wie möglich näher zu bringen, ohne allzu viel zu spoilern:
Andromeda spielt etwa zeitgleich zu Mass Effect 1. Commander Shepard ist bereits zum Spectre ernannt worden, doch er und was innerhalb der Milchstraße weiter passiert, ist für die Besatzung der Archen nicht von Interesse. 600 Jahre lang dauert die Reise von der einen in die andere Galaxie, weshalb alle Siedler in Kyrokapseln im Tiefschlaf liegen. In Andromeda angekommen sollen die „Pathfinder“ einen bewohnbaren Planeten finden. Jede Arche hat seinen eigenen Pathfinder und sieben vielversprechende Planeten wurden von der Erde aus identifiziert. Der Traum nach einer neuen Heimat ist greifbar nahe.
Wir spielen entweder Sara, oder Scott Ryder, Zwillinge und Kinder von Alec Ryder, dem menschlichen Pathfinder. Kaum aus dem Kälteschlaf erwacht, stößt die Hyperium mit der „Geißel“ zusammen, einer nebelartigen, rätselhaften Antimateriewolke im sonst so leeren Weltraum. Mit so einem chaotischen Auftauen hatte niemand gerechnet. Von den anderen Archen ist weit und breit nichts auf den Sensoren zu entdecken, weshalb wir „Habitat 7“, die geplante neue Heimat der Menschen, uns aus der Nähe anschauen. Ohne zu viel verraten zu wollen, sagen wir einfach, dass es zu „Komplikationen“ kam, wodurch unser Charakter der neue Pathfinder wird. Und auch der Planet ist nicht so, wie wir es erhofft hatten. Das Chaos ist perfekt.

Doch wo sind die anderen Archen? Welchen Planeten können wir alternativ besiedeln? Was hat es mit der Geißel auf sich? Und was sind diese Artefakte auf den Planetenoberflächen? Von diesen Fragen getrieben, suchen wir nach Antworten und finden dabei mehr, als uns lieb ist.

 

Neues und Altes

Bei unseren Erkundungen der sieben habitablen Planeten, treffen wir neben Wildtieren und unbekannter Flora auch auf zwei neue Rassen: Das freundliche, aber vorsichtige Volk der Angara und die feindseligen Kett. Schnell finden wir heraus, dass auch die Angara ihre Probleme mit den Kett haben. Frei dem Motto „der Feind meines Feindes ist mein Freund“, gilt es, das Vertrauen der Angara zu gewinnen und ihnen zu zeigen, dass wir nichts Böses im Sinn haben und das wir gemeinsam stärker sind.

Wir erforschen die fremden Welten, errichten Außenposten und versuchen die allgemeine Situation zu verbessern. Dadurch legen wir den Grundstein für die menschliche Zivilisation in Andromeda und schaffen uns so auch neue Freunde. Um auch schnell von A nach B zu kommen, steht uns der Nomad zur Verfügung, ein Fahrzeug, welches zwischen 4-Achsen-Antrieb für schnelle Fahrten, oder 6-Achsen-Antrieb für starke Steigungen umschalten kann. Kombiniert mit einem Booster und einem Schubstoß, welcher besonders weite Sprünge ermöglicht, ist das Fahrzeug für jede Art von Gelände geeignet.

Um von Planet zu Planet zu kommen, steht uns die „Tempest“ zur Verfügung, welche stark an das Design der Normandy erinnert. Im Inneren befindet sich allerhand Technik und natürlich unsere Crew. Diese besteht aus unseren 6 Begleitern, von denen wir immer jeweils zwei mit auf die Außenmissionen nehmen und jeder seine eigenen Stärken und Fähigkeiten hat. Diese sind außerdem wesentlich interaktiver, geben während der Kämpfe Kommentare ab und wirken an sich auch wesentlich lebendiger. Auch die individuellen Missionen sind interessant und spannend gestaltet. Dazu kommen noch eine Ärztin, einen Techniker und zwei Piloten, welche das Team und das Schiff zusammen halten.

Während unserer Reise durch die Galaxie erhalten wir Erfahrungspunkte, welche wir wie gewohnt in unseren Skilltree stecken, bestehend aus den drei Hauptkategorien Kampf, Technik und Biotik. Anders als bei den ersten drei Teilen können wir diese nun beliebig mischen und uns so den optimalen Kampfstil zusammenstellen. Dazu kommen sogenannte „Profile“, welche je nach Skills freigeschaltet werden und durch welche wir einen speziellen Bonus bekommen. Nehmen wir den Frontkämpfer, machen wir mehr Schaden und haben mehr Leben. Als Entdecker können wir uns beim Ausweichen sogar durch Materie teleportieren. Auch die Waffen sind frei wählbar und können mit diversen Modifikationen noch in der Leistung optimiert werden. Dafür steht uns ein Forschungstisch mit Werkbank zur Verfügung, an dem wir Waffen, Panzerung und Mods selbst bauen können, sollten wir einmal nicht das richtige auf dem Schlachtfeld looten können.

 

Die Schlacht um Andromeda
Die Kämpfe in Andromeda sind überraschend gut geworden. Der Charakter geht automatisch in Deckung, sobald er sich hinter einem Objekt befindet. Die KI ist nicht übermäßig klug, aber auch nicht lächerlich dumm. Es ist „annehmbar“, auch wenn die Angreifer gerne einmal über das gesamte Schlachtfeld laufen, um eine neue Deckung zu finden. Je nach Schwierigkeitsstufe ist taktisches Vorgehen von Nöten, aber auf den unteren Stufen reicht ein simples draufhalten mit der Waffe. Aber man will die Kämpfe ja auch gewinnen, bei der Geschichte weiterkommen und nicht Ewigkeiten im Kampf um einen von gefühlt hundert Außenposten hängen bleiben.

Wer eine größere Herausforderung sucht, kann sich entweder an die riesigen Architekten wagen, welche als eine Art variabler Endboss auf Planeten fungieren, oder man stürzt sich in den Multiplayer. Hier ist es, wie bereits im dritten Teil: Man tötet alles, was einem in den Weg kommt und versucht so lange zu überleben wie möglich. Dabei kann man aber ganz schön ins Schwitzen kommen, da die Wellen an Gegner je nach Schwierigkeitsstufe ordentlich Druck machen können. Stürzt euch mit 3 weiteren Freunden oder zufälligen Mitstreitern in die Kämpfe, schaltet Waffen, Ausrüstung und neue Charaktere für den Multiplayer frei und tretet euren Angreifern in den Hintern.

 

Lahme Gesichter und gewöhnungsbedürftiger Synchronsprecher

Mass Effect: Andromeda musste bereits im Vorfeld eine Menge Kritik einstecken. Ein Kritikpunkt, welcher wohl die meisten Spieler den Kopf schütteln ließ, waren die ausdruckslosen Gesichtsanimationen. Dem kann ich nur beipflichten, muss aber im selben Atemzug auch die Programmierer etwas in Schutz nehmen, denn Andromeda hat in seinem Spiel rund 50 000 Textzeilen welche es zu animieren gilt. Zum Vergleich: Mass Effect 3 hatte „nur“ rund 40 000 Textzeilen. Für die Gesichter wurde eine Formel hergenommen, welche die Mimik eigenständig erzeugte. Dass diese nicht unbedingt das beste Resultat erzeugt, sieht jeder, allerdings würde die Entwicklungszeit sich um Jahre verlängern, würde man jede Textzeile entsprechend bearbeiten. Bioware ist momentan noch auf der Suche nach einer Lösung des Problems und hat Besserung versprochen.

Dazu kommen einige kleinere Bugs, welche meist eher lächerlich als wirklich nervig sind. Falsche Körperanimationen und stockende Charaktere kommen öfters einmal vor, im schlimmsten Fall setzt der Ton aus, oder der Multiplayer stürzt einfach ab (Wobei bei unserem Test sowohl der Ton, als auch der Multiplayer reibungslos funktioniert haben).

Viel schlimmer als die Gesichtsanimationen finde ich persönlich die deutsche Synchronstimme vom männlichen Protagonisten Scott Ryder. Während es bei Sara noch einigermaßen in Ordnung geht, klingt Scott wie ein Grünschnabel Anfang 20. Nicht, dass ich was gegen einen jugendlichen Charakter habe, aber bei dieser Stimme würde mein Vertrauen, dass er die Galaxie retten wird auch eher schwinden. Stellt man auf Englisch um, oder nimmt seine Zwillingsschwester stattdessen, tut man sich selbst etwas Gutes. Die restlichen Synchronsprecher machen ihren Job besser und legen auch mehr Emotionen in ihre Rolle. So wirkt manche unwichtige Nebenszene gleich viel besser als die Hauptmission. Schade.

 

Eindrucksvolle Welten

Was aber an Stimme und Gesicht fehlt, wird durch die wirklich wunderschönen Planetenlandschaften wieder wettgemacht. Selbst Eisplaneten wirken hier fantastisch und überraschen mit einzigartiger Geologie und Flora. Auch die Körpermodelle sind schön gemacht worden und wirken realistisch (wenn die Bewegungsanimation nicht gerade ihren Geist aufgibt und sich unnatürlich verschiebt). Auch die Tempest und die Archen wirken sehr schön, sowohl von außen, als auch von innen. Hier ist sehr viel Liebe in die Arbeit geflossen und weiß zu überzeugen.

Generell wird versucht eine ganz neue Galaxie mit eigenem Leben und Geschichte sowie einer umfangreichen Hauptmission und zig Nebenmissionen in rund 75 Stunden Spielzeit unter zu bringen. Dies ist eine große Aufgabe, welche Bioware mit viel Herz und Verstand ganz gut gemeistert hat. Ein Mammut-Projekt, welches den Weg für die kommenden zwei Teile ebnet. Vielleicht liegt es ja genau daran, dass man oft an Mass Effect 1 zurück erinnert wird, wenn man Andromeda spielt. Oder es liegt an der Story selbst, denn diese weist einige Parallelen zum ersten Teil auf. Auch wenn wir diesmal auf keinem Elcor Schauspieler treffen, welcher Hamlet zitiert. Noch nicht.

 

Mass Effect: Andromeda
Wertung der Redaktion: 

84/100

  • Publisher: Bioware
  • Getestet auf: PC
  • auch für: PS4, Xbox One
  • Preis: 55,99€

 

 

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23/30 Technik + Wunderschöne Welten
+ Gute Hintergrundsynchronisierung…
+ Individuelle Planeten

+ Guter Soundtrack
+ Hoher Detailreichtum
+ Gute Steuerung
+ Gute Effekte
- Absurde Gesichtsanimationen
- … aber schreckliche Stimme vom männlichen Protagonisten
- Einige Animationsprobleme
27/30 Umfang + 7 besuchbare Planeten…
+ Relativ große Bewegungsfreiheit
+ „Nomad“ als Allzweck-Fahrzeug
+ 6 wählbare Crewmitglieder
+ Viele Nebenquests
+ Gute Preis/Leistung
+ Viele Waffen/Panzerungen/Mods
- … mit begrenzten Gebieten
25/30 Gameplay + Gute und fordernde KI…
+ Guter Multiplayer…
+ Relativ hoher Wiederspielwert

+ Spannende, aber bekannte Hauptstory
+ Verbessertes Kampfsystem
+ Viele nutzbare Fähigkeiten, welche sich gut ergänzen
+ Entscheidungen mit weitreichenden Auswirkungen

- … allerdings erst auf höheren Schwierigkeitsstufen
- … mit einigen Macken
9/10 Spezifisch + Eine neue Galaxie mit eigenen Ökosystemen, Flora und Lebewesen.
+ Viel Spielumfang (~ 75 Stunden)
+ Große Auswahl an Waffen/Panzerungen
+ Tolles Spielerlebnis

- Keine individualisierbaren Crewmitglieder 
Fazit:

Mass Effect: Andromeda

Reviewed by on

Mass Effect: Andromeda ist mit Sicherheit eine Herausforderung für Bioware gewesen. Eine gesamte Galaxie wird von Grund auf neu aufgebaut, inklusive Lebensräume, Tiere und zwei neuen Zivilisationen. Technisch hat es einige Tücken, welche aber bereits in Arbeit sind und meiner Meinung nach nur halb so wild sind, als es die meisten Medien wiedergegeben haben.

Ich kann nur sagen, dass Andromeda Spaß macht! Der Entdeckergeist wird geweckt, ohne dass es einem aufgezwungen wird. Und was gibt es schöneres, als seine eigens aufgebaute Siedlung auf einer kargen Wüstenwelt zu sehen? Die Hauptmission weist viele Parallelen zu Mass Effect 1 auf, ist aber detailliert, umfangreich und liebevoll gestaltet. Auch die Nebenmissionen machen Spaß und bringen viele Informationen über unser neues Zuhause in der Andromeda-Galaxie.

Auch Neueinsteiger in das Mass Effect Universum sind willkommen. Zwar gibt es Anspielungen an die ersten drei Teile, doch diese laufen meist eher im Hintergrund ab. Fans des Franchises werden sich gleich wie zuhause fühlen. Meine persönliche Empfehlung: Schaut es euch an, ihr könnt nicht wirklich etwas falsch machen, denn was an der Grafik fehlt, macht die Story und das Gameplay locker wieder wett.

Rating: 84 out of 100

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Geschrieben von

Richtig geprägt haben mich Spiele aus dem Hause LucasArts. Monkey Island, Indiana Jones und Star Wars haben mir gezeigt, wie ein echtes Spiel sein muss. Aber auch Blizzard hat mehr als nur ein Spiel herausgebracht, welches mir viele Stunden an Spaß geschenkt hat.

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