Octopath Traveler

Das Entwicklerteam um Bravely Default und Bravely Second präsentiert mit Octopath Traveler sein neustes Projekt. In dem klassisch anmutenden JRPG brecht ihr nicht zu einer großen epischen Geschichte auf, sondern gleich zu acht! Mit einem bisher einzigartigen Stil und einem modernen rundenbasierten Kampfsystem geht es auf ins Abenteuer.

Ihr habt schon richtig gelesen: Anstatt eine große Geschichte zu verfolgen, geht es um die Einzelschicksale von acht verschiedenen Charakteren. Wer sich jetzt fragt, wie das funktionieren soll, der darf jetzt besonders gut aufpassen. Die acht Geschichten der Charaktere spielt ihr nicht in einzelnen Spielständen, sondern in einem großen Spielstand. Am Anfang sucht ihr euch einen Charakter aus, der dann bis zum Ende seiner Geschichte als Hauptcharakter in eurer Party bleibt und zieht in die große, weite Welt. Je nachdem, wo es euch hin zieht, werdet ihr die anderen sieben Charaktere mit der Zeit in eure Party aufnehmen und könnt diese auch nach belieben durchwechseln. Bevor dies aber der Fall ist, müsst ihr von jedem Charakter das erste Einführungskapitel beenden. Dort lernt ihr die individuelle Geschichte und die besonderen Fähigkeiten der Charaktere kennen. Nach ca. 15 Spielstunden werdet ihr alle Charaktere aufgenommen haben und das jeweils erste von vier Kapiteln beendet haben. Zwar sind die Stories nur auf den jeweiligen Charakter ausgelegt, wann und in welcher Reihenfolge ihr euch diesen einzelnen Kapiteln widmet hängt aber einzig und allein von eurer Entscheidung (und dem Level eurer Charaktere) ab. Die Geschichten der Charaktere sind in sich geschlossen, doch leider kommen die anderen Spielfiguren in ihnen inhaltlich nicht vor (abgesehen von den eher banalen und optionalen Gesprächen). Eine epische Heldengeschichte im Sinne eines klassischen JRPGs dürft ihr euch hier aber nicht erwarten, denn der Fokus liegt auf den Einzelschicksalen der Protagonisten und ihren sehr subjektiven Motivationen hinaus in die Welt zu ziehen.

 

Acht Charaktere – Acht Geschichten – Acht Pfade
Cyrus, der Professor, zieht so zum Beispiel los, um ein verschollenes Buch zu finden. Tressa, die Händlerin, möchte Abenteuer erleben und Primrose, die Tänzerin, ist auf Rachefeldzug. Die Geschichten und Motivationen hinter den acht verschiedenen Charakteren könnten unterschiedlicher nicht sein. Eines haben sie aber gemeinsam: Denn alle Acht zieht es aus ihrem ruhigen Leben hinaus in die Welt. Jeder der Acht hat nicht nur einen unterschiedlichen Fokus im Kampf wie etwa klassische Elementarmagie, Dunkelmagie, Lichtmagie. Es gibt klassische Heiler und Supporter. Eine Jägerin mit Pfeil und Bogen, angriffsstarke Krieger, Diebe und Händler. Daher hat jeder Charakter im Kampf etwas anderes zu bieten.

Ein besonderes Feature sind die Pfad-Fähigkeiten. Insgesamt gibt es vier Fähigkeiten, davon zwei Varianten, die sich etwas unterscheiden. So können Cyrus und Alfyn Hintergrundinformationen über die NPCs herausfinden (die übrigens recht interessant geschrieben sind und auch im Spielverlauf nützlich sein können) und dabei Rabatte in der Gaststätte, neue Waffen oder versteckte Items freischalten. Tressa und Therion können von NPCs Gegenstände abkaufen oder klauen. Primrose und Ofilia können Personen dazu bewegen, sich ihnen anzuschließen. Man kann diese Personen dann zu bestimmten Orten begleiten aber auch im Kampf zur Hilfe rufen. Olberic und H’aanit können NPCs zum Zweikampf herausfordern, was hin und wieder auch von Nöten ist. H’aanit hat sogar noch eine besondere Fähigkeit, die es ihr erlaubt Monster einzufangen und diese dann im Kampf einzusetzen. Die Pfad-Fähigkeiten sind nicht nur für die Story relevant, sondern können auch für den generellen Spielverlauf und Nebenquests hilfreich sein. Einen kleinen Haken hat die Sache aber: Pfad-Fähigkeiten können auch manchmal scheitern. Entweder wird ein gewisses Level für eine Pfa-Fähigkeit vorausgesetzt oder man schafft diese mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit. Versagt man hier mehrmals, dann werden die Pfad-Fähigkeiten erst einmal für die Stadt gesperrt und man muss eine satte Prämie zahlen, um diese wieder einsetzen zu dürfen.

 

Die Welt von Osterra
Der Spielaufbau ist in der Regel recht simpel und gleichbleibend: Ihr wandert mit eurer Party zu einer Stadt, in der das nächste Kapitel ausgeschrieben ist. Praktischerweise gibt es auch immer eine Empfehlung, mit welchem Level ihr dort hingehen solltet. Und dort spielt sich auch oft der Großteil der Handlungen ab. Ihr werdet dort den Waffenladen abklappern, eure Pfad-Fähigkeiten bei den NPCs anwenden (um ihnen Gegenstände zu klauen oder Informationen, Boni und versteckte Gegenstände zu erhalten) und euch den Nebenquests widmen. Eine neue Stadt zu entdecken kann einiges an Zeit beanspruchen, ist aber auch sehr interessant. In den Städten beginnt dann ein neuer Abschnitt der Geschichte, ihr müsst in der Stadt eure Pfad-Fähigkeiten einsetzen, geht in einen Dungeon und besiegt den Endboss, um danach noch ein bisschen Story präsentiert zu bekommen. Diese Abschnitte können abhängig von eurem Level ca. ein bis drei Stunden dauern.

Dann geht es wieder in eine neue Stadt eurer Wahl über unzählige Pfade die zwar wenig Freiheiten bieten, aber in jeder Sackgasse wartet immerhin eine Truhe oder einen Dungeon (zu dem man meist erst später zurückkehrt, da dieser für gewöhnlich ein höheres Level erfordert) auf euch. Die Pfade an sich sind meistens nicht sonderlich lang und gut mit Speicherpunkten bestückt. Zum einen kann man gut nachvollziehen, dass in der Welt von Osterra, in der man kreuz und quer von Stadt zu Stadt wandert, schnelle Wege notwendig sind, um nicht durch ewiges latschen frustriert zu werden. Zum anderen wünscht man sich dann aber doch ein wenig mehr zu entdecken. Den einen mag dieser vielleicht monotone Spielaufbau eher abschrecken, den anderen wird dies aber sicherlich unglaublich motivieren, da eigene Ziele einfach gesteckt und erreicht werden können und man einen Überblick über den Spielverlauf behält.

 

Das Kampfsystem
Das Kampfsystem ist zwar klassisch rundenbasiert, aber sehr schnell und dynamisch. Die Gegner, denen man zufällig auf Pfaden und in Dungeons begegnet haben jeweils mehrere Schwachpunkte, die man herausfinden muss. So können unterschiedliche Waffentypen (Schwert, Dolch, Bogen, Axt, Speer) oder Magie (Feuer, Elektro, Eis, Wind, Schatten und Licht) Schwachstellen sein. Praktischerweise, haben manche Charaktere auch mehrere unterschiedliche Waffen, die auch blitzschnell im Kampf ausgewählt werden können. Jedes mal, wenn man den passenden Schwachpunkt trifft, wird ein Zähler beim Gegner runtergezählt. Erreicht dieser Zähler die Null, so ist der Gegner gebrochen, kann die aktuelle und kommende Runde nicht agieren und nimmt mehr Schaden. Zusätzlich bekommt jeder Charakter pro Runde einen Boost-Punkt (BP). Bis zu drei Punkte auf einmal kann man die Angriffe dadurch boosten. Bei normalen Angriffen sind diese stärker und es wird pro BP ein weiterer Angriff ausgeführt. Spezialangriffe oder magische Angriffe sind dadurch um ein vielfaches stärker. So ist man im Kampf ständig bemüht, die eigene Strategie zu verfolgen, etwa alle Gegner gleichzeitig zu brechen um diese dann mit voll aufgeladenen Boosts zu besiegen. Die Kombination aus Brechen und Boosten bringt somit viel Abwechslung ins klassische Spielsystem. Man wird dadurch zum Nachdenken und Vorausplanen angeregt und kann strategisch agieren. Ein besonderes Highlight sind die Bosskämpfe. Diese sind imposant inszeniert und knackig schwer. Sie können schon einmal gut eine halbe Stunde dauern und euch viele Ressourcen und geschickte Kampfplanung entlocken.

 

Nebenquests, Zweitklassen und Skills
Im Verlauf eurer Reise werdet ihr auch auf Schreine stoßen, die euch mit einer zweiten Klasse segnen. Das bedeutet, dass jeder Charakter mit einer zweiten Klasse ausgerüstet werden kann. Die Waffen, Spezialangriffe und Statusboni der zweiten Klasse sind im Kampf ohne große Mühe auswählbar. Die Zweitklassen können auch ausgewechselt werden, jedoch sind nur die Fähigkeiten der Zweitklasse aktiv, wenn diese auch ausgerüstet ist. Durch dieses System tuen sich neue Möglichkeiten für jeden Charakter, aber auch für die Party-Konstellation auf. Selbstverständlich kann jeder Charakter auch Skills lernen. Pro Klasse sind alle (bis auf ein Skill) zu Beginn schon verfügbar und können mit Skillpunkten in einer beliebigen Reihenfolge freigekauft werden. Je mehr Skills ihr erworben habt, desto teurer werden die Nachfolgenden bis ihr am Ende die Spezialfähigkeit jeder Klasse freischalten könnt, die noch einmal zusätzliche Strategie in den Kampf bringt. Außerdem werden auch noch passive Skills freigeschaltet, das können Status-Upgrades sein oder auch Umgebungsfähigkeiten (mehr Geld, weniger Kämpfe) und Fähigkeiten die euch im Kampf helfen (die Hälfte der Magiepunkte verbrauchen, ein zweites mal angreifen dürfen, einen anderen Charakter beschützen).

Eine weitere kleine aber feine Sache sind die Nebenquests. Diese findet ihr meistens in den Städten, manchmal auch auf den Pfaden und werden in euer Questbuch eingetragen. Im Gegensatz zu anderen RPGs ist nicht immer ganz so klar, was die Charaktere von euch wollen. Meist klagen sie nur ihr Leid und ihr müsst selbst herausfinden, wie ihr ihnen helfen könnt. Alt Tipp: Pfad-Fähigkeiten sind hier oft von Nützen. So gibt es zum Beispiel in einer Stadt einen Dieb, der aus seiner Gilde austreten möchte, doch dafür muss er einen Nachfolger finden. Der ist natürlich nicht gleich in der Nähe, sondern in einer ganz anderen Stadt. Ein unbedeutender Nebencharakter, der erzählt, er möchte gerne ein Dieb werden. Also nutzt ihr eure Pfadfähigkeit und bringt ihn zurück in die andere Stadt zu eurem Questgeber. Um die Nebenquests zu erfüllen, bedarf es ein gutes Gedächtnis, Aufmerksamkeit und ein bisschen Kombinationsgabe. Dadurch, dass nie ganz klar ist, was der Questgeber jetzt eigentlich braucht und will, wird man zum selbstständigen Denken angeregt. Das ist sehr erfrischend!

 

Künstlerische Finesse
Wer glaubt, Octopath Traveller hat einen typischen Pixel-Look, der täuscht sich. Zwar sieht die Umgebung pixelig aus, jedoch ist das Spiel 3D-Modelliert, was man sehr schnell merkt. Anstatt statische Sprites zu verwenden, wird viel mit Schärfen und Unschärfen gearbeitet. Lichteffekte spielen auch eine große Rolle. So kommt der Eindruck einer extrem lebendigen und schönen Welt zustande. Mal abgesehen von den unzähligen Text-Übersetzungen, zeigt Octopath Traveler auch noch eine gelungene englische, sowie japanische Sprachausgabe her. Auch die Musik ist atemberaubend. Insgesamt wirkt Octopath Traveller stark wie ein modernes klassisches Final Fantasy in dem man sich gute 80 bis 100 Stunden verlieren kann.

 

Octopath Traveler
Wertung der Redaktion:

89/100

  • Publisher: Square Enix
  • Getestet auf: Switch
  • auch für:
  • Preis: 59,99€

 

 

30/30 Technik + Hübsche 2D-HD Grafik
+ Wunderbare Musik
+ Gute Sprachausgabe
+ Schnelle Menüführung
+ Einsatz von HD-Rumble
24/30 Umfang + 8 einzelne Geschichten á 4 Kapitel
+ Spieldauer von 80 – 100 Stunden
+ Bonusdungeons
+ Lebendige Spielwelt
- Dungeons unspekatkulär designt
- Wenig zu entdecken
28/30 Gameplay + Knallharte Bosse
+ Boost- und Break-System
+ Kreative (Sub)Klassen
+ Pfad-Aktionen
+ Nebenquests
- Main-Charakter nicht austauschbar
7/10 Spezifisch + Zusatzklassen & Dungeons nach dem Durchspielen
- Keine zusammenhängende Geschichte
Fazit:

Octopath Traveler

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Octopath Traveler sticht mit einer frischen Game-Design-Idee, hübscher Grafik und atmosphärischen Soundtrack, sowie einem flotten und strategischen, dennoch klassischen Kampfsystem hervor. Ihr begleitet acht verschiedene Charaktere, die nicht nur im Kampf unterschiedliche Fähigkeiten haben, sondern auch mit ihren Pfad-Fähigkeiten auf der Oberwelt einiges bewirken können, auf ihren individuellen Geschichten. Diese werden Kapitelweise erzählt und ihr könnt euch selbst aussuchen, in welcher Reihenfolge ihr diese Spielt. Die Oberwelt besteht meist aus großen und interessanten Städten, den dazwischenliegenden Pfaden und Dungeons. Das Kampfsystem ist klassisch Rundenbasiert, sticht aber dank Boost-Punkten und Gegnerschwachstellen auch strategisch hervor. Zweitklassen und Skills bringen dahingehend noch weiteren Spielraum. Auch wenn am Ende keine große, epische Geschichte erzählt wird, sondern nur die eher unzusammenhängenden Einzelschicksale beleuchtet werden, bringt Octopath Traveler frischen Wind ins Genre und fühlt sich an wie ein modernes „klassisches Final Fantasy“.

Rating: 89 out of 100

So testen Wir

 

Geschrieben von

Irgendwann hab ich dann meine Freunde Indi, Lara und den Barbaren von Diablo II zurückgelassen um mich erwachsenen Themen zu widmen: Meiner ersten Liebesbeziehung mit Link. Sinneserweiternde Trips durch bunte Tunnel mit Rayman. Und natürlich meiner Karriere: 150 Pokémon, ja das sind wirklich viel. Doch ich will Pokémon Meister sein. Das ist mein Ziel!

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