Super Mario Odyssey

Blaue Hose, braungebrannt, hundert Kilo Hantelbank! Das beschreibt Mario zwar nur zu einem Drittel korrekt, aber man kann ja nicht immer „der berühmteste Klempner der Welt ist wieder da“ schreiben. Auch wenn das zu drei Dritteln korrekt ist.

Obwohl Mario inzwischen so ziemlich alles an Sportarten durch hat, wenn es drauf ankommt springt der Gute trotzdem noch zur Stelle um seine Prinzessin zu retten. Denn, wie könnte es anders sein, auch diesmal hat es sich Erzrivale Bowser in den Kopf gesetzt, Prinzessin Peach ein für allemal für sich zu gewinnen. Ganz ehrlich, laufen im Pilzkönigreich keine anderen Frauen rum? Wie dem auch sei, diesmal meint Bowser es ernst, denn statt sich mit einer „normalen“ Entführung zufrieden zu geben, plant der böse Fiesewicht mit Hilfe seiner Schergen eine großangelegte Hochzeit mit allem Drum und Dran. Dazu reist er mit seinem Luftschiff durch die Lande und klaut sich währenddessen alles zusammen, was man so für eine zünftige Vermählung braucht: Blumengesteck, Torte und vieles mehr. Und natürlich einen Ring, ohne Ring geht’s nicht.

Soweit mal zur Rahmenhandlung. Fortan springen, klettern, schwimmen, fliegen und rennen wir hinter Bowser her, befreien die von ihm heimgesuchten Länder von seinen Untertanen und sammeln dabei Monde. Monde? Ja, diesmal gibt’s keine Sterne, sondern Monde, und das gleich haufenweise. Die Monde dienen dabei als Treibstoff für die namensgebende „Odyssey“, das Luftschiff, mit dem wir Bowser verfolgen. Um im Spiel voranzukommen, wird pro Welt jeweils eine bestimmte Anzahl an Monden benötigt. Dabei gestaltet sich die Mindestanzahl nie als Problem, denn in jeder Welt sind mehr als genug Monde versteckt, um weiterreisen zu können. Sammler hingegen werden sich freuen, alles entdecken zu können, denn einige Monde sind wirklich schwer zu finden. Dabei ist es wirklich unglaublich, wie Nintendo es immer wieder schafft, simple Mechaniken, in diesem Fall das Sammeln, mit so viel Liebe zum Detail zu gestalten. Manchmal reicht eine einfach Stampfattacke auf den komische aussehenden Hügel da drüben, ein anderes Mal gelangen wir über eine Röhre in einen 2D-Abschnitt und müssen durch ein klassisches Mario-Level hüpfen und rennen, um am Ende an einen der begehrten Monde zu kommen. Es lohnt sich, jede Ecke unter die Lupe zu nehmen, denn meistens findet man dann wirklich etwas und freut sich wie ein Schneeklempner. Die Welten selbst sind dabei extrem abwechslungsreich und laden einfach zum Entdecken ein. Wüste, Wasser, Schnee, Wald und sogar eine Stadt, alle erdenklichen Gegenden sind vertreten und bieten ganz eigene Aufgaben und Herausforderungen. Zu viel will ich an dieser Stelle gar nicht darauf eingehen, denn den Spaß des Erforschens möchte ich euch auf keinen Fall nehmen. Ich musste an vielen Stellen herzhaft lachen, denn teilweise sind die Ideen wirklich extrem lustig (Gumbaturm!). In regelmäßigen Abständen werdet ihr außerdem mit kleineren und größeren (Mini-)Bossen konfrontiert. Die stellen zwar meistens keine zu große Herausforderung dar, lockern das Spiel aber schön auf und erfordern oft ein wenig Taktik und Köpfchen.

Die besten Ideen, egal ob bei Bossen oder in den Welten, sind jedoch zu einem Großteil aufgrund einer neuen Mechanik möglich. Mario bestreitet seine Verfolgungsjagd nämlich nicht allein, sondern mit einem neuen Weggefährten namens Cappy. Auch Cappy hat allen Grund, Bowser zu verfolgen, denn der hat nicht nur Prinzessin Peach, sondern auch Cappys Freundin Tiara entführt. Das Besondere an Cappy: er kann Marios Mütze ersetzen und fortan von diesem als Wurfgeschoss verwendet werden. Und es geht noch weiter, denn durch Cappy kann Mario in bestimmte Gegenstände und Gegner hineinschlüpfen und diese für kurze Zeit übernehmen. Ihr könnt nicht hoch genug springen, um an den Mond auf dem hohen Turm heranzukommen? Kein Problem, einfach den nächsten Frosch übernehmen und schon geht es hoch hinaus. Ihr kommt nicht über den großen Abgrund? Übernehmt doch einfach die lange Raupe da vorn und streeeeckt euch mal so richtig lang. Auch hier möchte ich euch nicht zu viel vorwegnehmen, denn viele Einsatzmöglichkeiten für Cappys Gabe sind wirklich äußerst lustig. Dabei kommt keine Mechanik oder Fähigkeit zu oft vor, ständig stößt man auf neue Möglichkeiten und Ideen.

Neben den Monden gibt es in allen Welten noch viele, viele Münzen zu sammeln. Diese unterscheiden sich dabei in zwei Arten. Da wären zum einen die normalen, aus vielen Mariospielen bekannten gelben Münzen. Diese sind eine Universalwährung und werden in allen Welten als Währung akzeptiert, außerdem dienen sie als „Versicherung“, solltet ihr mal in einen Abgrund stürzen oder von Gegner zu viele Treffer kassieren. Zum anderen gibt es jedoch noch eine, in jeder Welt andere, Währung in Form von lila Münzen. Diese lassen sich nur in den Läden der jeweiligen Welt gegen Souvenirs eintauschen. Das Wichtigste, das ihr mit diesen lila Münzen kaufen könnt, sind jedoch die auf die Welt zugeschnittenen Kostüme für Mario und Cappy. Pro Welt gibt es ein bis zwei solcher Kostüme, beispielsweise könnt ihr in der Wüstenwelt einen Poncho und einen Sombrero kaufen. Diese Kostüme verleihen euch zwar keine besonderen Fähigkeiten aber der Stylebonus ist definitiv nicht zu verachten. Glücklicherweise sind die Kostüme recht günstig, so dass ihr schon nach wenigen Minuten in das jeweilige passende Outfit schlüpfen könnt.

Aber auch ohne Kostümfähigkeiten hat Mario einiges auf dem Kasten. Wandsprung, Weitsprung, Stampfsprung, Stampfsprung mit angehängtem Hochsprung… die Liste ist lang und ermöglicht viele verschiedene Manöver. Dabei steuert sich Mario sehr präzise und macht genau das, was ihr steuert – und zwar genau das. Teilweise hat der Mann mit Schnäuzer so harte Kehrtwenden gemacht, dass ich ihn schnurstracks in den nächsten Abgrund gesteuert habe. Muss man sich erstmal dran gewöhnen, aber bei den zahlreichen Sprungpassagen merkt man dann deutlich, was eine schön präzise Steuerung ausmacht. Dabei hat man die Wahl zwischen einer eher klassischen Steuerung mit Gamepad (bzw. Joy-Cons an der Joy-Con-Halterung/der Switch) oder von der Konsole entfernten Joy-Cons. Dabei hat man mit letzterer Variante die meisten Steuerungsoptionen und teilweise lassen sich bestimmte Moves, wie der Zielsuchwurf, nur mit dieser Steuerungsart ausführen. Es ist zwar schön, dass Nintendo die Bewegungssteuerung der Joy-Cons so gut nutzt, allerdings finde ich es schade, dass einige Moves exklusiv für diese Steuerungsart bleiben und Spieler, die lieber auf klassische Art spielen, diese gar nicht nutzen können. Abgesehen davon nutzt Super Mario Odyssey die Funktionen der Switch voll aus. Bei einigen Rätseln kommt beispielsweise die sehr präzise Rumblefunktion zum Einsatz und sogar Screenshots werden für manche Aufgaben benötigt. Auch die Kamera funktioniert  bis auf wenige Ausnahmen gut und lässt sich im Zweifelsfall einfach nachjustieren, nur selten bleibt sie an Ecken hängen.

Eines der Kernmerkmale von Mariospielen ist, dass sie sich sehr intuitiv und flüssig spielen und das trifft auf Super Mario Odyssey komplett zu. Das ganze Spiel wirkt wie aus einem Guss und schon nach wenigen Spielminuten gehen die verschiedenen Sprünge, das Übernehmen der Gegner und das Sammeln der Monde einfach von der Hand.  Möchtet ihr mal nicht alleine spielen, hat Nintendo dem Spiel zusätzlich einen Zweispielermodus spendiert. Hier steuert einer von euch Mario, der andere Cappy. Das ist zwar ein nettes Gimmick, so richtig toll spielt sich Super Mario Odyssey aber nicht zu zweit. Für Eltern, die das Spiel gerne mit ihren Kindern spielen möchten, ist der Modus aber sicherlich eine feine Sache. In die gleiche Kerbe schlägt auch der sogenannte Hilfe-Modus. Bei diesem zeigen euch Pfeile den richtigen Weg und nach Stürzen werdet ihr schnell und ohne Konsequenzen wieder ins Spiel befördert, wohingegen ihr beim normalen Modus beim letzten aktivierten Speicherpunkt startet.

Und so hechtet man Bowser hinterher, um die Hochzeit hoffentlich noch verhindern zu können. Begleitet wird man dabei nicht nur von Cappy, sondern auch von Mario typischer, eingängiger Musik. Besonders gefallen haben mir die zahlreichen neu komponierten musikalischen Anspielungen auf ältere Titel, die Kennern der Spiele einige nostalgische Momente bescheren dürften. Nicht fehlen darf natürlich der amiibo-Support, mit dem ihr je nach Figur Kostüme oder andere Kleinigkeiten freischaltet.

Super Mario Spiele sind schon ein Phänomen: sie spielen sich im Grunde immer gleich und schaffen es dabei trotzdem, so innovativ und einfallsreich zu sein wie kaum eine andere Serie und Super Mario Odyssey bildet da keine Ausnahme. Im Grunde genommen sammelt man einfach nur viele Monde, um dann in der nächsten Welt mehr Monde sammeln zu können. Das Ganze ist aber so liebevoll inszeniert und die neue Übernahmemechanik so kreativ eingebunden, dass man sich wie auf einem großen Abenteuerspielplatz fühlt. An jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken, jeder Stein will umgedreht werden. Dazu kommen lustige Charaktere, mehr Story als in vielen anderen Mariospielen, eine schöne Grafik und ein toller Soundtrack. Das Spiel ist einfach stimmig und Jump n Run Fans haben hier einen Titel, auf den sie sich wirklich freuen können.

 

Super Mario Odyssey
Wertung der Redaktion: 

95/100

  • Publisher: NINTENDO
  • Getestet auf: Nintendo Switch
  • auch für: –
  • Preis: ~60€

 

 

 
29/30 Technik + Passende Grafik
+ Viele liebevolle Details
+ Schöner Soundtrack mit Nostalgiefaktor
+ Sehr präzise Steuerung
+ Gute deutsche Übersetzung
+ Nutzt Features der Switch voll aus
+ Optionaler Zweispielermodus
+ Optionaler Hilfe-Modus
+ Spielt sich sehr flüssig
- Selten hakelige Kamera
- Tw. können Moves nur mit von der Switch entfernten Joy-Cons genutzt werden
29/30 Umfang + Große Spielewelt
+ Lange Spieldauer
+ Viel, viel zu sammeln
+ Viele Rätsel
+ Story wird besser erzählt als Mario üblich
30/30 Gameplay + Hoher Wiederspielwert
+ Gute Fairness
+ Kreative Mechaniken
+ Cappy als neues Element bringt frischen Wind
+ Kaum wiederholende Elemente, jede Welt hat neue Ideen
+ Eingängige, leicht zu erlernende Steuerung
- Bosse tw. etwas zu leicht
7/10 Spezifisch + Amiibo-Support
+ Viele Kostüme
+ Münzen können für diverse Souvenirs und Kostüme ausgegeben werden
Fazit:

Super Mario Odyssey

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Super Mario Spiele sind schon ein Phänomen: sie spielen sich im Grunde immer gleich und schaffen es dabei trotzdem, so innovativ und einfallsreich zu sein wie kaum eine andere Serie und Super Mario Odyssey bildet da keine Ausnahme. Im Grunde genommen sammelt man einfach nur viele Monde, um dann in der nächsten Welt mehr Monde sammeln zu können. Das Ganze ist aber so liebevoll inszeniert und die neue Übernahmemechanik so kreativ eingebunden, dass man sich wie auf einem großen Abenteuerspielplatz fühlt. An jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken, jeder Stein will umgedreht werden. Dazu kommen lustige Charaktere, mehr Story als in vielen anderen Mariospielen, eine schöne Grafik und ein toller Soundtrack. Das Spiel ist einfach stimmig und Jump n Run Fans haben hier einen Titel, auf den sie sich wirklich freuen können.

Rating: 95 out of 100

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Geschrieben von

Meine Reise begann im zarten Alter von 6 Jahren mit einem Super Nintendo. Seitdem war ich Prinzessinnenretter, hatte finale Fantasien, habe unzählige Bälle auf kleine Monster geworfen und auch sonst alles gespielt, was mit unters Gamepad kam. Aber genug geredet, das nächste Spiel wartet! Letse go!

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