Yakuza 6 – The Song of Life

Yakuza 6 erzählt wie seine Vorgänger die Geschichte um das Leben von Kazuma Kiryu, den „Drachen von Dojima“. Der wird wie immer in viel zu viele Dinge gleichzeitig verstrickt, mal mehr und mal weniger selbst verschuldet.

Eigentlich wollte der gute Kiryu ja nur eines: endlich das Yakuzaleben hinter sich lassen und wieder Zivilist sein. Das betont er im neuesten Teil der Yakuza Serie auch gerne und häufig, „ich habe die Yakuza hinter mir gelassen“ werdet ihr darum auch mehr als nur ein paar Mal zu hören bekommen. Warum heißt das Spiel also Yakuza 6 und nicht Zivilist 1? Naja, wie das mit mafiösen Vergangenheiten so ist, holen sie einen ja oft mehr oder weniger gerne ein. Doch ganz von vorn.

Kiryu wird direkt zu Beginn des Spiels für drei Jahre verknackt. Als er wieder rauskommt, muss er feststellen, dass seine Ziehtochter Haruka nach einer Autoattacke im Koma liegt und scheinbar zwischenzeitlich ein Baby bekommen hat. Wer der Fahrer des Wagens war oder wer der Vater des Babys ist, das sind die Fragen mit denen sich Kiryu fortan beschäftigen wird. Dabei kommt er im Laufe der Geschichte, wie schon angedeutet, auch wieder in Kontakt mit seinem ehemaligen, sagen wir, Arbeitgeber. Der Drache von Dojima ist in Yakuzakreisen schließlich nach wie vor eine Berühmtheit, auch wenn die neue Generation der Yakuza ihn teilweise eher spöttisch (böser Fehler) und als Relikt aus alten Zeiten betrachtet (ganz böser Fehler). Und so wird man während seiner Suche nach Antworten immer wieder von kleineren und größeren Problemen der verschiedenen Clans aufgehalten. Die Hauptstory bleibt dabei stets motivierend und man fühlt sich oft wie in einem gut geschriebenen Gangsterfilm. Teilweise so sehr, weil die Zwischensequenzen, von denen es einige gibt, sich gerne mal auf zehn bis fünfzehn Minuten erstrecken. Zwar kann man die Sequenzen theoretisch auch einfach „durchklicken“, denn die Sprachausgabe ist komplett japanisch, allerdings nimmt das viel vom Flair des Spiels.

Die Eierlegende Wollmilchsau

Wie gesagt, die Story ist motivierend und man möchte immer gerne wissen, wie es weitergeht. Wenn, ja wenn da nicht diese klitzekleinen Dinge wären, die Yakuzaspieler schon aus vorherigen Teilen kennen dürften: Nebenaufgaben und Minispiele. Davon gibt es natürlich auch in Yakuza 6 wieder einige und sie schaffen es, euch immer wieder von eurem eigentlich Ziel abzulenken. Ihr lauft durch Tokio und plötzlich sollt ihr jemandem beim Onlinedating helfen. „Aber ich wollte doch eigentlich…ja ok dann helf ich kurz.“ So wird es euch öfter ergehen, sei es beim Onlinedating oder beim Kampf gegen Geisterpiraten oder als Aushilfsmaskottchen zur Steigerung des lokalen Tourismus. Alternativ dazu könnt ihr beim Karaoke euer Gesangstalent beweisen, was besonders mit der Option „leidenschaftliches Mitsingen“ sehr lustig ist. Oder ihr tobt euch beim Baseball aus, trainiert im Fitnessstudio und findet Freunde in einer Bar. Was wollte ich nochmal eigentlich?… Achja! Vater von Baby und Autoangreifer finden!

Gewalt IST eine Lösung

Spielt man Yakuza, dann bekommt man schnell das Gefühl, überall laufen nur Gruppen rum, die auf Krawall aus sind. Alle paar Straßenecken hört man ein „Heeey“ und schon seid ihr von Schlägern umzingelt. Dann heißt es Fäuste auspacken und ab geht die Post. Trotz seiner 44 Jahre kann der gute Kiryu nach wie vor gut austeilen und seine Gegner mit verschiedenen Schlägen und Tritten, Würfen und Kontern aufmischen. Man darf nicht vergessen, dass die Yakuzareihe im Kern ein Straßenprügler ist, bei der Probleme gerne mal mit Gewalt gelöst werden. Die Kämpfe laufen dabei chaotisch und gleichzeitig doch irgendwie kontrolliert ab. Mit einer Taste schlagt ihr, mit der zweiten gibt’s Tritte und mit der dritten nehmt ihr einen Gegner in einen Würgegriff. Zu Beginn des Spiels haut ihr einfach auf die Tasten und die Gegner liegen recht schnell im Dreck; später halten sie dann mehr aus, ihr bekommt aber auch mehr Kniffe dazu. Durch so ziemlich alle Aktivitäten im Spiel bekommt ihr nämlich Erfahrungspunkte. Die sind in verschiedene Kategorien eingeteilt, durchs Kämpfen bekommt ihr vorranging Stärkeerfahrung, gewinnt ihr im Mahjong dürft ihr euch vor allem über Wissenserfahrung freuen, beim Baseball gibt’s Geschicklichkeitserfahrung, usw. Die Hauptquelle für Erfahrung stellt jedoch Essen dar. Habt ihr genug Hunger, dann dürft ihr euch in einem der zahlreichen Restaurants über Burger, Sushi, Ramen, Steak, Kuchen und noch viel mehr Köstlichkeiten hermachen. Je nach Art des Essens bekommt ihr auch hier verschiedene Arten von Erfahrung. Die gesammelten Punkte dürft ihr dann in Kiryus Kampffähigkeiten investieren. Dadurch steigert ihr einerseits Werte wie Lebenspunkte, Angriff oder Verteidigung, andererseits lernt ihr auch neue Techniken, die euch das Leben im Kampf deutlich erleichtern. So könnt ihr dann fortan Fahrräder auf Gegnern zerschmettern, sie wortwörtlich gegen Hauswände klatschen oder – meine Lieblingstechnik – den Kopf eines Gegners in eine Ladenmikrowelle stecken und den Mitarbeiter dann bitten, diese anzustellen (ja, das steht so in der Beschreibung).

Während den Kämpfen sammelt ihr „Hitze“, die ihr auf Knopfdruck aktiviert. Wer dann noch in Kiryus Weg steht, hat echte Probleme. Dadurch sind euch gegnerische Angriffe fast egal und eure eigenen Angriffe bekommen nochmal extra mehr Wumms, inklusive nur im Hitzemodus verfügbarer Spezialangriffe. Doch auch eure Gegner können diesen Modus aktivieren, meist sobald sie eine bestimmte Menge Schaden kassiert haben und dann solltet auch ihr euch vorsehen. Denn bei alle Offensivkraft kann auch der Drache von Dojima auf die Bretter geschickt werden. Da heißt es dann Blocken lernen, denn das ist in der Welt von Yakuza noch wichtiger als der pure Angriff.

Insgesamt sind die Kämpfe in Yakuza 6 gelungen, wobei vor allem die 1vs1 Kämpfe gegen stärkere Gegner Spaß machen. Bei drei oder mehr Bossgegnern gleichzeitig ist man hingegen gerne mal damit beschäftigt, den richtigen Moment abzupassen und sich sonst außer Reichweite zu bewegen. Das ist vielleicht realistisch, fühlt sich beim Spielen aber leider nicht so toll an.

Don Kiryu

Nach einer Weile werdet ihr dann sogar selbst zum Clanchef und dürft Mitglieder rekrutieren, Hierarchien festlegen und in Clankriegen um eure Vormachtstellung kämpfen. Dabei zieht ihr ausnahmsweise mal nicht selbst ins Gefecht, sondern lasst eure Mitglieder die Drecksarbeit für euch erledigen. In einer Art Mini-Echtzeitstrategiespiel schickt ihr verschiedene Anführer und Truppentypen ins Feld, die unterschiedliche Stärken und Schwächen haben. Roundhousekick, Heilung oder K.O.-Schlag sind nur einige der Techniken, die eure Truppenführer drauf haben und den Ausgang der Schlacht entscheidend beeinflussen können. Die Clankämpfe bieten neben der Hauptstory einen weiteren Handlungsstrang, der zum Teil glaubhaft in die eigentliche Geschichte eingewoben ist. Falls euch die Clanmissionen im Rahmen der Story nicht genug reichen, dürft ihr euch online mit anderen Spielern messen und eure Teams antreten lassen.

Neben all den ganzen Ablenkungen gibt es zusätzlich noch Troublr, eine Art Nachrichtendienst für gute Taten. In sehr(!) regelmäßigen Abständen bekommt ihr im Spiel Mitteilungen auf euer Smartphone. Darin melden sich besorgte Bürger, dass hier und dort kleinere Aufgaben auf euch warten. Mal hängt jemand an einem Hausdach und muss befreit werden, mal müssen Straßenrowdys vermöbelt werden oder ihr bringt jemandem Toilettenpapier (ja, auch das) vorbei, es gibt immer etwas zu tun. Prinzipiell eine nette Idee, allerdings wiederholen sich die Aufgaben SEHR schnell und wirklich viel Spaß machen sie auch nicht.

Yosh!

Was Yakuza 6 wirklich toll hinbekommt, ist die Stimmung Tokios einzufangen. Wenn ihr durch die Straßen lauft, fühlt sich das einfach gut an. Grelle Leuchtreklame, viele Menschen, kleine Straßenläden und Restaurants, die Stadt platzt nur so vor japanischen Klischees. Dazu ein stimmiger Soundtrack, der die visuellen Eindrücke schön unterstreicht. Die Animationen, insbesondere die Mimik beim Sprechen, könnte besser sein, die Sprecher selber jedoch sind tadellos und überzeugend. Überhaupt spielt sich Yakuza 6 einfach angenehm. Ihr könnt nach einer längeren Spielpause die letzten Storysequenzen nochmals anschauen, um wieder ins Spiel reinzukommen und für Neueinsteiger gibt es zu jedem bisher erschienenen Serienteil eine Zusammenfassung.

Yakuza 6 ist sicherlich kein Spiel für jedermann, wer aber auf japanische Kultur und teils abgedrehte Nebenquests steht, sich nicht von Zwischensquenzen abschrecken lässt und kein Problem mit teils übertriebener Gewalt a la Fahrrad ins Gesicht klatschen hat, der sollte sich Yakuza 6 zumindest mal anschauen. Es erwartet euch eine wirklich gut erzählte Geschichte mit tollen Sprechern und einem zwar nicht überragenden aber auch nicht nervigen Soundtrack. Dabei bietet euch Yakuza 6 neben dem eigentlichen Spiel eine Fülle an vollständig spielbaren Arcade Games, eine Mahjong Simulation, eine Baseball Liga, ein Mini-RTS, ein Rhythmusspiel und, und, und…Kurzum: es wird so schnell nicht langweilig!

Yakuza 6 – The Song of Life
Wertung der Redaktion: 

80/100

  • Publisher: SEGA
  • Getestet auf: PS4
  • auch für: –
  • Preis: ~59€

 

 

 
25/30 Technik + Detaillierte Grafik
+ Stimmiger Soundtrack
+ Gute Synchro
+ Japanische Stimmung gut umgesetzt
+ Einfache aber effektive Steuerung
- Animationen teils zu hölzern
- tw. Frameratewackler
25/30 Umfang + Große Spielewelt
+ Gute Spieldauer
- Weniger Hauptstory als in den Vorgängern
25/30 Gameplay + Hoher Wiederspielwert
+ Gute Fairness
+ Spaßige Minispiele & Nebenaufgaben
+ Sowohl Haupt- als auch Nebenstories motivieren
- teils sehr lange Zwischensequenzen
5/10 Spezifisch + Motivierendes Erfahrungssystem
+ Cool inszenierte Spezialattacken
Fazit:

Yakuza 6 - The Song of Life

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Yakuza 6 ist sicherlich kein Spiel für jedermann, wer aber auf japanische Kultur und teils abgedrehte Nebenquests steht, sich nicht von Zwischensquenzen abschrecken lässt und kein Problem mit teils übertriebener Gewalt a la Fahrrad ins Gesicht klatschen hat, der sollte sich Yakuza 6 zumindest mal anschauen. Es erwartet euch eine wirklich gut erzählte Geschichte mit tollen Sprechern und einem zwar nicht überragenden aber auch nicht nervigen Soundtrack. Dabei bietet euch Yakuza 6 neben dem eigentlichen Spiel eine Fülle an vollständig spielbaren Arcade Games, eine Mahjong Simulation, eine Baseball Liga, ein Mini-RTS, ein Rhythmusspiel und, und, und…Kurzum: es wird so schnell nicht langweilig!

Rating: 80 out of 100

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Geschrieben von

Meine Reise begann im zarten Alter von 6 Jahren mit einem Super Nintendo. Seitdem war ich Prinzessinnenretter, hatte finale Fantasien, habe unzählige Bälle auf kleine Monster geworfen und auch sonst alles gespielt, was mit unters Gamepad kam. Aber genug geredet, das nächste Spiel wartet! Letse go!

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