Der Weg zum Spiele-Entwickler (Teil1) – Ausbildung

Hallo liebe Gamer! Heute gibt’s mal ein kleines Extra zu den gewohnten Reviews. Nach der E3 und vor der Gamescom kann man sich kaum noch retten vor geilen Spielen, aber vielleicht ist auch gerade deshalb bei dem ein oder anderen der Wunsch groß geworden, selbst mal ein eigenes Spiel zu entwickeln. Deshalb wollen wir euch einen Einblick geben, was es für Ausbildungsmöglichkeiten im deutschsprachigen Raum gibt und welche Engines für euch interessant sein können, um euer Spiel zu realisieren. Um euch nicht mit Infos zu überfluten teilen wir den Artikel in zwei Teile. In diesem ersten Teil findet ihr Infos zur Bildungslandschaft und den nötigen Qualifikationen, die ihr mitbringen solltet. Im zweiten Teil gibt’s dann einen tieferen Einblick in verschiedene Engines und Tipps wie ihr euch am Besten einarbeiten könnt. Ich werde außerdem noch auf weiterführende Ressourcen verweisen, die ich bei meinem Beginn auch gerne gehabt hätte.

Aber was qualifiziert mich überhaupt euch von Spiele-Entwicklung zu erzählen? Mit 14 habe ich begonnen kleinere Spiel zu entwickeln und schließlich mit dem Studium beschlossen die ganze Sache ernst zu nehmen. Nach meinem abgeschlossenen Bachelorstudium in Medieninformatik an der TU Wien bin ich nach Hamburg gezogen und studiere jetzt Zeitabhängige Medien und Games. In meiner Laufbahn war ich auch aktiv bei Games Austria und habe den ein oder anderen Game Jam mitgemacht. Inzwischen kann ich auf einen recht beträchtlichen Wissenspool zurückblicken, den ich gerne mit euch teilen will. So, genug der langen Worte, auf geht’s in die fabulöse Welt der Spiele-Entwickler.

Qualifikationen

Halt, nicht so schnell. Bevor wir uns in die Dev-Szene stürzen sollten wir zuerst noch klären, ob ihr wirklich dort hinwollt und wenn ja, in welchen Bereich. Was müsst ihr dafür können? Im Allgemeinen kann man zwischen drei verschiedenen Gruppen unterscheiden: Programmierer, Grafiker und Game Designer. Dabei sind diese Bereiche nicht klar von einander getrennt, sondern verschwimmen ineinander.

Programmierer haben die Aufgabe sich um die technischen Aspekte eines spiels zu kümmern. Sie schreiben Code, implementieren die Spielmechanik und fixen Bugs. Wenn ihr diesen Weg gehen wollt, empfiehlt es sich eine ordentliche Portion logisches Verständnis mitzubringen. Es wäre auch keine schlechte Idee einmal in eine Programmiersprache hineinzuschnuppern, oder sich eine Engine genauer anzusehen.

Grafiker sind näher an dem was der Spieler wahrnimmt. Sie kümmern sich um die Ästhetik des Spiels, um 2D oder 3D Modelle, Animationen und Cut Scenes. Sie definieren den Look, die Farbkompositionen und verleihen dem Spiel Leben. Im Allgemeinen empfiehlt es sich gut zeichnen und malen zu können, auch wenn diese Fähigkeiten nicht unbedingt notwendig sind. Ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen, sowie die Lust sich mit 3D-Grafiken befassen zu wollen reichen oft schon aus. Dazu sei noch erwähnt, dass 3D-Kentnisse von Vorteil sind, wenn ihr größere Titel für den PC oder Konsolen entwickeln wollt. 2D-Grafiker werden in größeren Unternehmen hauptsächlich als Concept Artists oder Character Artists eingesetzt. Da sehr viele Kreative in diesen Bereich wollen, ist es schwierig sich dort zu behaupten.

Game Designer überlegen sich, wie das Spiel aufgebaut sein soll, oder welche Spielmechaniken Spaß machen. Sie bilden Schnittstellen zwischen den Programmierern und Grafikern. Im späteren Verlauf sind sie für das Balancing des Spiels verantwortlich. Das bedeutet viele Excel-Tabellen, ein bisschen mathematisches Verständnis und das Durchhaltevermögen einzelne Bereiche solange anzupassen bis sie sich gut anfühlen. Game Designer haben es aber nicht leicht in die Szene einzusteigen, da kleine Indie-Teams eher auf einen Game Designer verzichten können als auf einen Grafiker oder Programmierer. Um selbst seine Ideen verwirklichen zu können, rate ich deshalb zumindest zu einem Grundverständnis von Programmierung. So könnt ihr eigenständig an Prototypen arbeiten. Die Industrie wird sich freuen, wenn ihr schon eigene Spiele entwickelt habt, bzw. mit einem Skillset in das Unternehmen kommt, bei dem ihr eigenständig an einem Prototypen arbeiten könnt.

Ausbildung

Je nachdem was ihr machen wollt, gibt es verschiedene Universitäten oder FHs die ihr besuchen könnt. Eine Ausbildung ist nicht zwingend notwendig, da die Spielindustrie vor allem auf eure fertiggestellten Spiele und Referenzen achtet. Dennoch hat eine Ausbildung mehrere Vorteile:

  • Ihr erhaltet einen guten Überblick über die einzelnen Teilaspekte der Spiele-Entwicklung und werdet von euren Professoren gefordert Projekte fertigzustellen.
  • Ihr lernt Gleichgesinnte kennen mit denen ihr zusammen Projekte verwirklichen könnt. Dabei erfahrt ihr auch was es heißt kollaborativ an einem Spiel zu arbeiten.
  • Ihr habt danach etwas in der Hand, das euch zu besseren Gehältern führt und euch die Bestätigung gibt, dass ihr was drauf habt.

Ich könnte jetzt natürlich probieren alle möglichen Unis und FHs im deutschsprachigen Raum aufzuzählen, aber dann würde wohl niemand mehr den Artikel lesen wollen. Stattdessen will ich euch einen gröberen Überblick geben, welche Art von Ausbildung für euch am Besten ist: Universität, öffentliche Fachhochschule oder eine private Einrichtung.

 Universitäten

Eine Universität ist sicher nicht die einfachste Wahl. Ich habe meinen Bachelor an der Technischen Universität in Wien absolviert. Der große Vorteil den ich sehe ist das breit gefächerte und wissenschaftliche Wissensspektrum, welches vermittelt wird. Anders als bei einer FH wird man nicht hauptsächlich für die Industrie ausgebildet, sondern für die Lehre und Forschung. Das bedeutet, dass man viele verschiedene Werkzeuge in die Hand bekommt, die oftmals in der Industrie nicht direkt gebraucht werden, welche aber das große Ganze besser verstehen lassen. Das Wissen viele der Fächer die ich hatte, kann ich mittlerweile nur mehr bedingt oder überhaupt nicht anwenden und dennoch bin ich glücklich, dass  ich meinen Bachelor an einer Universität gemacht habe. Universitäten setzen sehr viel eigene Motivation voraus,was ich eindeutig als Vorteile empfinde. Nicht nur, weil man selbst mehr planen und entscheiden muss, um sich den richtigen Plan zusammenzustellen, sondern auch, weil Unis (vor allem technische Unis) gerne freie Software verwenden und man somit oft auf eigene Faust die Industriestandards lernen muss. Mir wurde zum Beispiel nie Unity oder die Unreal Engine erklärt, dafür habe ich eine gute Einführung in Java und ein Verständnis für Programmiersprachen im Allgemeinen bekommen. Damit wiederum war es für mich nicht mehr so schwer C# zu lernen und Unity anzuwenden. Ihr müsst euch auch nicht unbedingt auf ein Games-Studium werfen. Studien im Kunstbereich oder in der allgemeinen Informatik können eine großartige Wahl sein. Sofern ihr dort etwas lernt, dass einen interessanten neuen Wind in die Spielbranche bringt und ihr genug Motivation mitgebracht habt, euch den Rest selbst anzueignen, ist eine solche Wahl oftmals besser, weil ihr dann ein einzigartiges Skillset vorzuweisen habt.

Öffentliche Fachhochschulen

Eine Fachhochschule hat definitiv viele Vorteile. Einerseits müsst ihr weniger selbst planen und das Studium in der vorgesehenen Mindeststudienzeit fertigzustellen ist um einiges  realistischer. Andererseits bekommt ihr von der FH oft schon direkte Kontakte zur Industrie und arbeitet mit Tools, die gerade von jener auch wirklich eingesetzt werden. Sie sind bemüht euch direkt auf die Berufswelt vorzubereiten. Das bedeutet jetzt nicht zwingend, dass ihr danach direkt in einem Unternehmen arbeiten müsst, es kann genauso gut passieren, dass ihr euer eigenes Unternehmen gründen wollt. Apropos gründen: Eine FH hat den Vorteil, dass die meisten Kollegen die selbe Intention verfolgen, als man selbst und in die Spielindustrie wollen, was networking un dgemeinsame Projekte wesentlich erleichtert. Ein Nachteil bei der FH, es ist schwieriger ein anderes Berufsfeld anzustreben als bei einer Ausbildung an einer Universität. Außerdem fehlt ein wenig die Erarbeitung der grundlegenden Konzepten hinter Sprachen, die Theorie hinter der Praxis wenn man so will.

Private Einrichtungen

Private Unis und FHs kosten sehr viel mehr Geld als öffentliche Einrichtungen. Sind sie denn das Geld wert? Ich habe von vielen Freunden gehört, dass sie um das Geld, das sie gezahlt haben, so viel mehr machen hätten können. Ich denke man zahlt hier oft für die Motivation und die strammen Vorschriften. Nur weil man zahlt, bedeutet das jedoch nicht, dass man bessere Vortragende bekommt. Was man allerdings bekommt, ist besseres Equipment. Wenn ihr euch genügend Eigenmotivation zutraut, würde ich von einer privaten Einrichtung eher abraten, auch wenn ich nicht unterstellen will, dass jede private Einrichtung „schlecht“ ist.

Eure Wahl

Wenn ihr noch mehr wissen wollt über bestimmte Universitäten oder FHs, schreibt einfach in die Kommentare, dann kann ich euch gerne Empfehlungen geben, was euch interessieren könnte. Noch ein kleiner Ratschlag zum Schluss: Scheut nicht davor für euer Studium umzuziehen. Ich bin für meinen Master von Wien nach Hamburg gezogen und diese Entscheidung hat mich in sehr vielen Bereichen weitergebracht. Schreckt nicht davor zurück aus euch herauszukommen und Herausforderungen anzunehmen, aus meiner Erfahrung bringen sie dich immer weiter, sobald man beschlossen hat sich den Herausforderungen zu stellen. Bis zum nächsten Teil!

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