70
Wertung

Fallout 76 ist seit seinem Release von vielen ordentlich in die Mangel genommen worden. Dabei hat das neue entwickelte Bethesda Game weitaus mehr zu bieten als man anfänglich vermutet. Wodurch das neue Fallout besticht und warum sowohl Einsteiger als auch eingesessene Fallout-Fans an den stark in Kritik geraten Fallout 76 ihren Spaß haben werden, verrate ich euch in meinem Test.

Fallout 76 mag im ersten Moment stark an Fallout 4 erinnern, dies mag leider auch daher kommen, dass es grafisch wie ein leicht optimierter Teil des Vorgängers aussieht. Auf den zweiten Blick stellt man fest, dass sich das Ödland Virginias nur die optische Hülle mit seinem Vorgängern teilt. Die Unterschiede beginnen bei dem neu eingeführten Multiplayer Gameplay und enden bei der Art und Weise wie die Story von Fallout 76 erzählt wird. Welches leider nicht an die früheren RPG-Teile heran kommt.

Gemeinsam Einsam

Fallout 76 bricht mit vielen Traditionen, trotzdem hat es gerade durch das Gefühl, welches einem die Umgebung vermittelt, nach wie vor sein Flair behalten. Eine Story mit vielfältigen Entscheidungsmöglichkeiten gibt es im neuen Teil leider nicht mehr, dennoch kann das Spiel auf anderen Ebenen punkten. Vor allem das Late Game hat diesbezüglich großes Potenzial. Angefangen beim Bekämpfen von Monstern, wie dem Wendigo oder der Schattenbestie, die einem im Early-Game ohne mit der Wimper zu zucken umnieten. Bis hin zum Sammeln von Nuklearcodes, die euch zu einem späteren Zeitpunkt im Spiel ermöglichen, selbständig eine Atombombe abzufeuern. So richtig unterhaltsam wird Fallout aber erst beim Spielen im Team.

Fallout 76 im Test - Wendigo

Die Möglichkeit auch weiterhin das Ödland allein zu erkunden geht dadurch trotzdem nicht unter. Es mag zwar öfters mit dem Tod enden als einem lieb ist, da das Spiel eindeutig in gewissen Bereichen auf Teamplay ausgerichtet ist, jedoch ist es mit der richtigen Vorgehensweise genauso unterhaltsam und man vergisst immer mal wieder, dass es an den früheren Rollenspielelementen mangelt. Allein in der Umgebung herumzustreifen ist vor allem zum ausgiebigen Ausforschen dieser und der Sidequest gut geeignet. Außerdem muss man beim alleinigen Erkunden keinesfalls ständig mit der Angst leben, von Spielern mit einem höheren Level gejagt und erschossen zu werden. Einen kompletten Verlust des Charakters und der Ausrüstung habt ihr zu keinem Zeitpunkt zu befürchten.

PVP in Fallout 76 ist nämlich anders, als man es aus anderen vergleichbaren Spielen kennt. Um ein PVP Battle zu „starten“ müssen beide Spieler einmal aufeinander geschossen haben, um vollen Schaden zu erhalten. Im Zuge des eingeführten PVP-Modus kann man einander nicht nur einvernehmlich jederzeit im Ödland bekriegen, sondern auch regelmäßig in der Welt platzierte Basen einnehmen und ausbauen um benötigte Ressourcen zu sammeln.

Fallout 76 im Test - PowerArmors

Gameplay und Setting

Kritik kam vor allem in Bezug auf die fehlende Story und Entscheidungsmöglichkeiten in den Dialogen. Manche sind dazu verärgert, dass keine NPCs in der Welt vorhanden sind, um die Geschichte von Virginia zu erzählen, andere sind von der neuen Art des Storytellings mittels Holobänder genervt. Dazu lässt sich sagen, dass die ständige Abwesenheit lebender menschlicher NPCs zum einem das Flair einer postapokalyptischen Welt untermalt, anderseits fühlt es sich auch schnell einsam und etwas unbefriedigend an, ausschließlich mit Robotern reden zu können. Die ein oder andere von Menschen bevölkerte Stadt würde dem Spiel sicherlich nicht schaden. Trotz alledem kann man nicht leugnen, dass es einen Heidenspaß macht selbständig die Hintergrundgeschichte von Virginia zu erkunden.

Fallout 76 im Test - Nuked

Die meisten Informationen, die man bekommt, stammen zwar von Toten, Bethesda schafft es trotz alledem, einen immer mal wieder durch spannende Quests in den Bann zu ziehen. Fans der früheren Fallout Spiele, die vor allem die ausführlichen Hintergrundgeschichten zu schätzen gewusst haben, kommen diesbezüglich auch in Fallout 76 nicht zu kurz.  Auf Dauer mag das zwar etwas anstrengend werden ständig Holobänder oder Robotern zuzuhören, dafür gibt es aber auch eine Vielzahl von Möglichkeiten sich zwischendurch anderwärtig zu beschäftigen.

Diesem Bedürfnis, das Ödland auf eigene Faust zu erkunden, wird durch die viermal größere Map als Fallout 4 auch genüge getan. Neu sind auch die sich stark voneinander unterschiedlichen Gebiete, die zum Teil mit einer ganz neuen Flora und Fauna ausgestattet sind. Was in weiterer Folge dazu führt, sich regelmäßig dabei zu erwischen, wie man stundenlang mit der Erkundung der Umgebung beschäftigt ist, ohne dabei einer bestimmten Mission zu folgen. Die Gestaltung der einzelnen Schauplätze ist ebenfalls sehr gelungen, auch wenn ich mich im Zuge meiner Erkundungstour nach einer größeren (bevölkerten) Stadt gesehnt hätte. Trotz der riesigen Welt findet man im Ödland aber genug ehemals bewohnte Plätze, darunter auch Vergnügungsparks mit Daily Quests und riesige verlassene Golfplätze.

Leveln in Ödland

Ein weiterer durchaus gelungener Punkt in Fallout 76 ist das Skill-System. Mit den bereits aus dem Vorgänger bekannten Special-Werten werden vor allem Fans der Reihe schnell warm, aber auch Einsteiger werden die Vorteile des neuen Systems zu schätzen wissen. Steigt man im Level auf, kann man zwischen einen der Special-Werte wählen und in weiterfolge eine Karte für den gewählten Wert aussuchen. Diese Karten kann man wiederum beliebig oft in der Kategorie des Special-Werts mit anderen Karten in seinem Besitz austauschen und somit die neuartige Dynamik des Spiels jederzeit zu seinen Gunsten nutzen.

Fallout im Test - S.P.E.C.I.A.L

Da anders als in Fallout 4 mit Level 50 keine Skillpunkte mehr vergeben werden, schadet es nicht im Vorhinein zu überlegen, welche Attribute man besonders fördern will. Beim Spielen im Team lassen sich verschieden Attribute gut untereinander aufteilen, um so viele verschiedene Skills wie möglich abzudecken. Vor allem der Skill Charisma ist für Mulitplayer-Sessions von essenzieller Bedeutung.

Home Sweet Home

Bereits in Fallout 4 war es möglich, seine eigene Basis zu errichten. Das Bausystem ist bis auf seine anfangs etwas gewöhnungsbedürftige Steuerung ein netter Zeitvertreib, um seine eigene kleine Festung zu errichten. Das schöne dabei ist, dass dies in Fallout 76 nun beinahe in der ganzen Welt möglich ist. Es ist allerdings Vorsicht geboten. Errichtet man sein Camp genau auf derselben Stelle, auf der man noch wenige Sekunden zuvor gegen eine Horde von Maulwurfsratten gekämpft hat, dann sollte man für die nächste Heimkehr sicherheitshalber ein paar Verteidigungsanlagen mehr aufstellen. Nicht nur tierische Gegner gilt es abzuwehren, auch Spieler können euer Haus angreifen. Somit solltet ihr eure Base zumindest zusperren, falls ihr keine Besucher wünscht. Mankos bezüglich des Bau-Systems gibt es nach wie vor in Bezug auf das Budget. Zumindest am Anfang des Spiels ist man durch die geringe Kapazität des Budgets beim Bauen stark eingeschränkt. Durch die entsprechende Skillung lässt sich dieses Problem aber im Laufe des Spiels minimieren.

Fallout 76 im Test - Camp

Nicht nur euer Haus könnt ihr selbst errichten. Auch Waffen, Rüstungsteile und Powerrüstungen sind eurem handwerklichen Talent unterstellt. Mittels Bauplänen, die es entweder käuflich zu erwerben gibt, oder auch im Ödland gefunden werden können, kann man sich im Laufe des Spiels immer mehr vor den Gefahren des Ödlands schützen. Durch die benötigten Baupläne und Ressourcen, treibt das Spiel euch dazu, euch laufend ins Ödland zu begeben und bietet somit auch längerfristig einen motivierenden Zeitvertreib.

Fallout 76 im Test
Fallout 76 im Test
Fazit
Entgegen meiner anfänglich sehr skeptischen Meinung (als eingefleischter Fallout-Fan), muss ich zugeben, dass Fallout 76 auf alle Fälle Potenzial hat - auch wenn leider nur mehr wenig Gemeinsamkeiten mit seinem Vorgängern vorhanden sind. Versucht man Fallout 76 nicht als Nachfolger der Reihe anzusehen, lässt sich feststellen, dass es Spaß macht mit seinen Freunden durchs Ödland zu ziehen. Für RPG-Fallout Fans mag Fallout 76 sicher kein ebenbürtiger Ersatz sein. Für Fallout-Fans, die das Erkunden und die Stimmung zu schätzen wussten, kann auch der neuste Teil in den ein oder anderen Punkten überzeugen. Bis auf ein paar Bugs und Abstürze, mit denen bei Online Spielen immer mal wieder zu rechnen ist, lässt sich Fallout 76 auch einwandfrei spielen. Trotzdem würde ich es sehr begrüßen, wenn im weiteren Verlauf menschliche NPCs ihre Wege nach Virginia finden würden, um für mehr RPG-Feeling zu sorgen.
Technik55
Umfang80
Gameplay70
Spezifisch75
Leserwertung6 Votes62
Besser
Riesige Map und schön gestaltete Umgebungen
Vielzahl an neuen Gegnern
Dynamisches Skillsystem
Vielfältiges Waffenarsenal und Ausbaumöglichkeiten
Spannende Nebenquests und Events
Liebe zum Detail
Camp bauen auf der ganzen Map
Multiplayer Gameplay
Schlechter
Keine menschlichen NPCs
Gelegentliches Abfallen der Framerate
Vereinzelte Abstürze des Spiels oder Servers
Verbuggte Quests und Gegner
Erzählweise der Hauptstory erinnert an eine Schnitzeljagd
Wenige Spieler auf den einzelnen Maps
Erinnert optisch stark an Fallout 4
70
Wertung
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Mit Crash Bandicoot für die Playstation und Donkey Kong für den Super Nintendo hat für mich damals alles angefangen. Auch wenn bei mir im Laufe der Zeit die Konsole dem Computer wich und aus Jump 'n' Run-Titeln, MMORPGS und Shooter wurden, ist eines unverändert geblieben: Die Freude nach gefühlt hunderten von Stunden und zeitweiliger Abwesenheit von Sonnenstrahlen ein Spiel durchgespielt zu haben. Das und die Möglichkeit, aktiv in ein Spielgeschehen einzugreifen, mitreißende Ingame-Musik, bis hin zum Kennenlernen neuer faszinierender Charaktere in der realen wie virtuellen Welt, haben dazu geführt, dass das Zocken bis heute zu einer meiner größten Leidenschaften gehört.

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