78
Wertung

Obwohl schon 1 ½ Jahre seit dem Nintendo Switch Release vergangen sind, ist das Genre der Dungeon Crawler auf der Konsole noch recht schwach besetzt. Der Publisher NIS America möchte dem entgegenwirken und setzt mit Labyrinth of Refrain: Coven of Dusk einen Stein ins Brett. Ob das Game den großen Dungeon Crawler Spielereihen wie Etrian Odyssey standhalten kann, werdet ihr ins unserem Review erfahren.

Dungeon Crawler haben schon eine lange Vergangenheit hinter sich und obwohl sie eher ein Nieschengenre sind, haben sie sich stets weiterentwickelt. Der neuste Streich ist Labyrinth of Refrain: Coven of Dusk, welches für Nintendo Switch und die PS4 am 21.09.2018 erscheint. Das Spielprinzip ist recht simpel: Ihr bewegt euch in der Ego-Perspektive durch ein Labyrinth (erinnert ihr euch noch an den Windows 95 Bildschirmschoner?) und müsst dort nicht nur Schätze finden, sondern euch mit Monstern herumschlagen. Die Kämpfe laufen meistens klassisch Rundenbasiert ab. So auch in Labyrinth of Refrain. Schaut euch doch einfach erst einmal einen kleinen Spiel-Ausschnitt an, dann sollte alles ganz klar sein!

 

Madame Dronya und das Tractatus de Monstum
Die Geschichte von Labyrinth of Refrain ist schnell erklärt: Die kleine Stadt Refrain wird eines Tages von der Hexe Dronya und ihrer Assistentin Luca besucht. Der Grund ist das geheimnisvolle Labyrinth, welches im Untergrund der Stadt verborgen ist. Doch das Labyrinth kann nicht von Menschen betreten werden! Daher erschafft Dronya sich ihre eigenen Puppen-Krieger, die unbeschadet durch das Miasma vordringen können. Mit Hilfe des Tractatus de Monstrum, einem mit einer Seele versetzen Buch, gelingt es ihr die Geheimnisse des Labyrinths zu erkunden. Die Story an sich ist nur ein nettes Nebenwerk um ein wenig Pause vom erkunden des Irrgartens zu bekommen. Sie hat leider in der ersten Hälfte des Spiels nicht besonders viel Tiefgang und beschränkt sich größtenteils auf lustige Szenen in die die Hauptcharaktere verwickelt sind. Später wird es dann ein wenig spannender und düsterer.

 

(Zu) Viele Möglichkeiten der Charaktergestaltung
Bevor ihr das Labyrinth erkunden könnt, müsst ihr euch ein Puppen-Krieger erschaffen. Ihr könnt zum Spielbeginn zwischen sechs verschiedenen Klassen wählen. Dabei sind klassische Damage-Dealer-Klassen wie etwa der Standard-Nahkämpfer oder eine Klasse die schnelle und kritische Schläge austeilt. Es gibt Magier, Tanks und Supporter und selbstverständlich auch einen Schützen der aus den hinteren Rängen austeilt. Jede Klasse hat dabei natürlich ihre Vor- und Nachteile in ihren Eigenschaften. Ihr könnt zwischen verschiedenen Geschlechtern, Aussehen und Stimmen auswählen. Und dann kommt die Kleinarbeit: Entscheidet euch zwischen 32 verschiedenen Temperamenten, die sich kleinteilig in ihren Statuseigenschaften unterscheiden. Dann dürft ihr noch permanente, passive Skills auswählen, in welche Richtung sich die Statuswerte beim Level-Up entwickeln sollen und ob der Charakter eher standardmäßig, defensiv oder aktiv unterwegs sein soll.

 

Klingt alles sehr kompliziert und das ist es auch, wenn man wirklich versucht sich in das System rein zu fuchsen und das Beste aus seinen Charakteren zu holen. Die gute Nachricht: Selbst wenn man nicht alles perfekt abstimmt, kommt man gut durch das Spiel. Das gilt ebenso für die Waffen und Ausrüstungsgegenstände die man im Spiel findet. Neben den klassischen Werten wie Stärke, Magiepunkte, Defensive, etc. gibt es noch tausende von Resistenzen und Statuseffekten die Waffen und Ausrüstung haben können. Zu viele um wirklich zu überblicken welche Waffe nun einer anderen überlegen ist. Auch hier gilt: Kein Problem, solange ihr darauf achtet regelmäßig bessere Ausrüstung anzulegen und hin und wieder mal die Ausrüstung im Alchemy Pot zusammenfusioniert um sie noch stärker zu machen. Eine „Optimize“-Funktion wäre hier tatsächlich mal angebracht. Die Fülle an Statuswerten macht das Spiel zwar komplexer, übertreibt es aber in jeglicher Hinsicht! Manchmal ist weniger auch mehr…

Der Angriffspakt!
Was Labyrinth of Refrain von anderen Dungeon-Crawlern unterscheidet sind die sogenannten „Coven“ – die Angriffspakte. In anderen Spielen habt ihr Kampfslots in denen ihr eure Charaktere für den Kampf platzieren könnt. In Labyrinth of Refrain könnt ihr in diesen Slots eure Angriffspakte platzieren. Das bedeutet, dass ihr teilweise sogar mehr als einen Charakter diesem Slot zuweisen könnt. Die Angriffspakte haben jeweils mehrere Slots für aktive und passive Mitglieder. Ein Pakt kann beispielsweise zwei aktive Plätze haben, wobei die beiden zugewiesenen Charaktere dann aktiv im Kampf teilnehmen. Sind drei passive Slots mit dabei, können die zugewiesenen Charaktere zwar nicht im Kampf dabei sein, sie bekommen aber trotzdem Erfahrungspunkte und sorgen für Boni für die aktiven Kämpfer. Das ist soweit praktisch, dass ihr also auch neue Charaktere problemlos mitleveln lassen könnt, um sie später ins aktive Spielgeschehen zu nehmen ohne dass sie aufgrund von Unterlevelung sofort sterben. Der andere Punkt, den die Coven einführen, sind die Kampfskills wie Angriffszauber, Supportzauber, etc. Diese sind nicht, wie in anderen Spielen, an den Charakter gebunden, sondern an die Coven. In den Dungeons könnt ihr immer wieder neue Coven mit neuen Skills finden. Da die Coven mitleveln und mit höheren Leveln auch weniger Reinforcement brauchen (dazu später mehr) wird man auch weniger risikofreundlich neue Coven auszuprobieren.

 

 

Auf ins Labyrinth
Nachdem nun endlich alle Vorbereitungen getroffen sind – und vom Spiel in einem recht guten, interaktiven Tutorial eingeführt wurden – können wir endlich ins Labyrinth aufbrechen. Hier ist natürlich das Herzstück des Spiels, denn obwohl das Management der Charaktere und Waffen ein wichtiger Punkt ist, steht doch die Erkundung und die Kämpfe im Vordergrund eines guten Dungeon Crawlers! Im Gegensatz zu anderen Dungeon Crawlern wie etwa Etrian Odyessey, habt ihr nicht nur ein paar sehr große Labyrinthe, die sich thematisch unterscheiden, sondern eine richtig stattliche Menge an gut durchdachten und interessanten Irrgärten. Jedes Labyrinth hat sein eigenes Thema (Höhlen, Schlösser, Gärten, Gnomenstadt), mit Charakteren die dort leben, einer eigenen Art des Aufbaus, eigenen thematisch passenden Monstern und Zwischen- und Endbossen. Diese Vielfalt motiviert ungemein das Spiel weiter zu spielen. Die Monster im Labyrinth werden anhand von Kugeln angezeigt, so dass ihr selbst ein wenig planen könnt, wohin ihr geht um z.B. sehr starke Monster zu umgehen. Das bringt noch ein wenig zusätzliche Taktik ins Spiel und vermeidet plötzliche Zufallskämpfe.

 

 

Auf in den Kampf!
Die Kämpfe gegen Monster laufen in der Regel recht standardmäßig ab. Skills und Zauber braucht ihr in den normalen Kämpfen eher weniger, dafür werden sie bei den Zwischen- und Endbossen umso relevanter. Je nach Waffentyp haben eure Charaktere eine anderen Effektivitätstypen der bei jedem Monster ein wenig anders ist. Ihr müsst also ausprobieren, welche Angriffe welchem Monster schaden. Die Beschreibung aller Aktionen läuft in klein auf dem Kampfbildschirm mit. Leider recht schnell, so dass man daraus wenig Informationen ziehen kann um den Kampf im Detail zu verstehen. Die einzelnen Coven greifen dabei gemeinsam an und führen gemeinsam Aktionen aus. Für Reinforcement kann man die einzelnen Mitglieder eines Covens auch jeweils anderen Aktionen ausführen lassen. Das ist meistens auch nur in Bosskämpfen notwendig. In normalen Kämpfen kann man auch per Knopfdruck einfach alle Charaktere ihren Standardangriff ausführen lassen und das ganze ein wenig vorspulen, so dass euch beim kämpfen gegen schwächere Monster nicht gleich langweilig wird. Unterschätzen solltet ihr diese aber auch nicht, denn ein kritischer Schlag kann euren Charakteren Körperteile abschlagen, so dass sie zwar noch kampffähig sind, aber nur eingeschränkt handeln können. Dies könnt ihr nur in eurer Base wieder reparieren.

 

Witch Petition und Reinforcement
Einen Beitrag zu der Vielfältigkeit leisten die Witch Petitions, mit denen immer wieder Neuerungen und Verbesserungen eingeführt werden können. Im Labyrinth könnt ihr nämlich zusätzlich zu Items und Erfahrung auch Mana sammeln, was ihr für vielerlei Dinge im Spiel gebrauchen könnt. So auch für die Witch Petitions. Beispiele dafür die Fähigkeit Teleporter zu setzen, die euch zurück zu eurer Basis bringen oder Wände im Labyrinth zu zerbrechen, die Charaktere im Kampf in der Offensive und Defensive zu stärken, nach einem Kampf Lebenspunkte zu regenerieren, mehr Items oder Puppen haben zu können und vieles mehr. Durch die ständig dazukommenden Witch Petitions ändert sich das Spiel immer mal wieder ein wenig und sorgt für Abwechslung. Es ist auch möglich gefallene Charaktere im Labyrinth wieder zu beleben oder sie zu heilen. Der XP-Stock ist auch eine der interessanten Funktionen. Ihr könnt die gesammelten Erfahrungspunkte nach dem Kampf erst einmal sammeln, ohne sie sofort auf die Charaktere zuzuweisen. Ihr bekommt als Bonus weitere Erfahrungspunkte dazu. So bringt diese Funktion noch einen kleinen Mehrwert für eure Party. Die oben genannten Aktionen können jedoch nicht unendlich durchgeführt werden. Sie kosten euch Reinforcement-Punkte, von denen ihr standardmäßig 100 Stück habt. Euren Coven ins Labyrinth zu schicken kostest euch schon einmal 20 – 30 Punkte, so dass ihr mit dem Rest gut haushalten müsst.

 

So testen Wir

Labyrinth of Refrain: Coven of Dusk
Fazit
Labyrinth of Refrain bringt endlich mal einen weiteren Dungeon Crawler auf die Nintendo Switch. Während die Geschichte um die Hexe Dronya - die im Labyrinth unter dem Städtchen Refrain etwas zu suchen scheint - eher unterhaltsame Nebengeschichte ist, darf man sich vor allem auf die sehr kreativen und zahlreichen Dungeons freuen. Eine Vielzahl von Spielmechanismen sorgt ständig für Neuerungen im Dungeon und lässt das Erkunden nie langweilig werden. Anstatt mit einer fixen Gruppe in den Kampf zu ziehen, könnt ihr eure Charaktere den sogenannten Coven – also Angriffspakten – zuweisen. Dadurch bekommt ihr nochmals Boni für die eingesetzten Kämpfer und könnt mit viel mehr Charakteren aktiv kämpfen als man es aus anderen klassischen rundenbasierten Kämpfen kennt. Die Charaktererstellung, die Auswahl von Skills und das Händeln der Ausrüstung ist zwar leicht zu erlernen, allerdings wird man als Spieler von einer Vielzahl von Statuswerten erschlagen, so dass die Komplexität zu viel des Guten ist. Man kommt tatsächlich aber auch gut durch das Spiel, wenn man nicht alles bis ins kleinste Detail perfektioniert. Labyrinth of Refrain: Coven of Dusk sorgt dennoch definitiv für eine große Zahl an spaßigen und herausfordernden Spielstunden und ist eine Empfehlung für alle Dungeon Crawler-Fans. [/rati
Technik60
Umfang90
Gameplay60
Spezifisch100
Leserwertung0 Votes0
Besser
Gute Steuerung und Shortcuts
Stimmiger Soundtrack
Extrem Abwechslungsreiche Dungeons
>60 Spielstunden
Viele Statuswerte und Anpassungsmöglichkeiten…
Interessantes Coven-System…
Strategisches Manövrieren durch Dungeons
Gutes interaktives Tutorial
Schlechter
Spielzeitzähler verbuggt
nur englische Texte
Geschichte ohne viel Tiefgang
vieles zu komplex
Kämpfe eher unspannend
78
Wertung

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