Lucius II: The Prophecy

Als kleiner Junge hat man es nicht leicht. Überall Menschen, die einem Vorschriften machen: “Nein, du darfst den Mann nicht töten!”, oder “Nein, die Katze zu quälen ist verboten!”. Gar nicht so einfach. Aber immerhin ist ja Papa da. Also nicht der Fleischklops, der beim Brand um Leben gekommen ist, sondern der richtige Papa. Der Teufel!

 

Mit Lucius II: The Prophecy setzt der Entwickler Shiver Games die Story des ersten Teils fort. Wir erinnern uns: Wir spielten auch damals schon Lucius, den Sohn vom Teufel Lucifer, für den wir Seelen sammeln sollten. Dies taten wir auf die effektivste Weise, nämlich in dem wir nach und nach Leute auf den Anwesen unserer menschlichen Eltern töteten. Mit sehr ausgefallenen Methoden steckten wir Opfer in Brand, zerquetschten sie mit Klavieren, oder enthaupteten wir sie mit Deckenventilatoren. Dieses ungewöhnliche Spielprinzip machte trotz des makaberen Hintergrundes recht viel Spaß.

 

Im Krankenhaus des Todes

Der Zweite Teil setzt einige Zeit nach dem ersten Teil an. Nachdem das Elternhaus niedergebrannt ist, wurde Lucius in die psychiatrische Abteilung des St. Benedict’s Hospitals gebracht. Dort sollen wir mit Elektroschocks behandelt werden, doch sowas tut man einfach nicht mit dem Sohn des Teufels und wir flüchten blutverschmiert. Wir bahnen langsam unseren Weg durch das Krankenhaus und führen unseren alten Plan fort: Menschen töten, dadurch stärker werden und neue Fähigkeiten entwickeln.

2015-02-11_00002Einige Bereiche sind frei zugänglich und solange wir keine merkwürdigen Aktionen durchführen, wie zum Beispiel Gegenstände fliegen zu lassen, sind wir relativ uninteressant und werden sogar freundlich begrüßt. Und selbst wenn wir einmal dabei gesehen werden, wie eine Dose von Geisterhand quer durch den Raum fliegt und vielleicht dabei noch eine Rohrleitung demoliert, kommen wir unerkannt davon, wenn wir uns nicht allzu viel Zeit zum Werfen gelassen haben.

Die unzugänglichen Bereiche, welche auf der kleinen Minimap in der Ecke rot gekennzeichnet sind, müssen wir ungesehen durchqueren. Werden wir dort gesehen, versucht man uns zu schnappen. Sich schnell zu bewegen ist also hier das A und O.

 

Möge das Seelensammeln beginnen

Das Krankenhaus ist voll mit Patienten und Personal. Etwas 10 – 20 Personen liegen pro Etage in den Patientenbetten, oder wuseln während der alltäglichen Krankenhausarbeit umher. Dabei zeichnet sich schnell ein Rythmus ab, zum Beispiel verlässt ein Doktor sein Büro, um das Klo zu benutzen. Er hat wohl eine extreme Blasenschwäche, denn diesen Weg geht er innerhalb einer Minute sicher gute 4 Male. Wir überlegen uns eine Taktik, wie wir ihn am Besten ausschalten. Sollen wir den Defibrillator an die Wasserleitungen anschließen, um ihm einen elektrischen Schlag zu versetzen? Oder doch lieber die Gasleitung zerstören, damit er sich mit einer Zigarette selbst in die Luft sprengt? Feuertode, Verätzungen, Elektroschocks, Gasflaschengeschosse, Enthauptungen, die Auswahl der Tode sind groß, sind meist gut inszeniert und einfallsreich.

2015-02-12_00001Doch auch wenn das langsame Ausschalten der Personen und das Sammeln von Erfahrung Spaß macht, desto mehr sieht man, wo an Realismus gespart wurde. Bringen wir zum Beispiel einen Arzt mit vergifteten Donuts um und wird von einer Krankenschwester gefunden, bricht diese in Panik aus und läuft umher wie ein verschrecktes Huhn. Ein Patient reagiert da schon manchmal wesentlich ruhiger und beginnt sofort mit der Reanimation. Dass nach abgeschlossener Wiederbelebung der Körper einfach verschwindet und alle ihren vorherigen Arbeiten weiter nach gehen, lässt uns einfach nur den Kopf schütteln. Generell ist die KI einfach nur dumm, anders kann man es nicht sagen.

 

Logik? Realismus? Neumodischer Humbug!

Explodierende Kanister, laute Schreie, brechende Knochen, das alles lässt niemanden zur Hilfe eilen. Nur wer eine Tat sieht, reagiert. Und wenn wir zum Verdächtigen werden, laufen uns die Leute hinterher, um uns einzufangen. Werden wir gefasst, ist das aber auch kein Weltuntergang: Mit einen einzigen Tastendruck befreien wir uns, unser Gegenüber stürzt betäubt zu Boden, steht nach kurzer Zeit wieder auf und hat wohl die letzten 2 Minuten ganz einfach vergessen.

Auch können wir uns problemlos durch die späteren Orte wie Städte, oder Kraftwerke bewegen, solange wir uns von den roten Bereichen fern halten. Ein Kind was durch den Gang eines Elektrizitätskraftwerkes läuft, ist auch was ganz normales, oder? Und die toten Arbeiter? Naja, Arbeitsunfälle passieren halt. Oh, eine Packung giftiger Donuts auf dem Boden! Nom nom nom.

2015-02-11_00004Ein bisschen mehr hatten wir uns hier schon erwartet. Und warum wir die Klospülung betätigen müssen, um unsere Energie wieder auf zu füllen, wissen weder ich, noch Lucius. Wir müssen auch noch Kletterpartien erledigen, für die weder das Spiel, noch die Steuerung wirklich ausgelegt sind. Nebenbei versuchen die Entwickler so krampfhaft witzig zu sein, dass uns maximal ein mitleidiges Lächeln über unser Gesicht huscht. Wir finden Dildos, welche wir mit Hilfe einer Gasleitung auf Opfer schießen können, Männer, die ihre Sexualität zu zweit in einem dunklen Raum ausleben und sich auch nicht von einem kleinen Jungen davon abbringen lassen und auf einen Herren, der sich wohl bei seiner letzten Mahlzeit einen ordentlichen Magen-Darm-Virus eingefangen hat.

 

Töten macht Spaß!

Und trotz der ganzen Logikfehler, der veralteten Grafik und der eher mittelprächtigen Steuerung muss man sagen: Irgendwo macht es trotzdem Spaß. Die unterschiedlichen und einfallsreichen Ermordungen unserer Opfer sind der Schwerpunkt des Spieles und sind gut gelungen. Da darf man schon einmal darüber hinweg sehen, dass nicht alles erklärt wird (wir wissen zum Beispiel bis zum Ende unseres Tests nicht wirklich, ob und was man mit den Zigaretten-, bzw. Süßigkeitenautomaten machen kann), die Story eher stumpf und die Engine schon etwas älter ist.

Lucius passt perfekt in die Rolle des Sohn des Teufels. Emotionslos, mit Seitenscheitel und düsterer Miene bewegt er sich unheilvoll durch die Gänge und lässt seine Opfer erschauern. Desto mehr Erfahrung er sammelt, desto besser kann er seine Fähigkeiten einsetzen und Menschen kontrollieren, Gegenstände bewegen und Feuer gefährlich aufflammen lassen. Eben ein Junge, wie wir ihn auf jeden Fall selbst gern als Kind hätten.

 


 

 

Lucius 2: The Prophecy
600xWertung der Redaktion: 

67/100

  • Publisher: Shiver Games
  • Getestet auf: PC
  • Preis: 19,99€
  • Reviewed von: Roman Völkel

 

Am 14. Februar 2015

 
10/20Technik+ Stimmungsvoller Soundtrack
+ Gute Animationen
+ Passende Synchro
- Veraltete Grafik
- Schlechte Steuerung
- Einige nervige Bugs
14/20Umfang+ Viele Level
+ Relativ lange Spieldauer
+ Viele Tötungsmethoden
+ Viele Opfer
- Einige nervige Bugs
- Tutorial lässt viele Fragen offen
18/20Gameplay+ Relativ hoher Wiederspielwert
+ Gute Fairness
+ Viele Wege führen zum Ziel
+ Tötungsmethoden machen Spaß
+ Meist kein hoher Schwierigkeitsgrad
- Unrealistisch
- Extrem dumme KI
- Gezwungen lustig
25/40Spezifisch+ Sehr viel Freiheiten für den Spieler (+10)
+ Viele nutzbare Items (+5)
+ Spaßiges Spielprinzip… (+10)
- …aber teilweise schlecht umgesetzt (-5)
- Veraltete Technik (-5)
- Nur englische Version verfügbar (-5)

Fazit:

[rating itemreviewed=”Lucius 2: The Prophecy” rating=”67″ reviewer=”Roman Völkel” dtreviewed=”27.04.2015″ best=”100″ worst=”0″]

Lucius 2: The Prophecy setzt den ersten Teil fort, macht dabei aber kaum Fortschritte. Die Spielengine scheint die alte geblieben zu sein und anstatt aus dem ersten Teil die Vorzüge zu übernehmen, scheint das Spiel sogar einen Schritt zurück zu gehen und nimmt den Rest an realistischer Logik ganz raus. Trotzdem: Es macht Spaß Schritt für Schritt, ein Opfer nach dem anderen auszuradieren. Das man dabei so gut wie gar nicht verlieren kann stört gar nicht. Frustmomente wären für Lucius 2 auch definitiv der Todesstoß gewesen. Ob es sich wirklich lohnt, muss jeder für sich wissen. Wer einfach mal abschalten möchte und nicht viel erwartet, kann hier richtig viel Spaß haben. Für jene Spieler, die ein gut durchdachtes Highend-Game haben möchten: Finger weg!

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